Einsatzübungen im Waginger Seniorenheim

22. Juni 2026

Feuerwehren trainieren gemeinsam – Zwei anspruchsvolle Szenarien

Waging. „BMA – Ausgelöste Brandmeldeanlage“ lautete die Alarmmeldung bei zwei Zugübungen der Feuerwehr Waging im Seniorenheim St. Martin. Das jeweilige Einsatzszenario war den Einsatzkräften zunächst nicht bekannt. Sie wurden von der Integrierten Leitstelle Traunstein ausschließlich über die Auslösung der Brandmeldeanlage informiert – ganz wie bei einem realen Einsatz.

Bei einem Brandmeldealarm schließen automatisch die Brandschutztüren, während die Aufzüge in eine Haltestelle im Erdgeschoss fahren und außer Betrieb genommen werden. Am Bedienfeld der Brandmeldeanlage lässt sich anschließend der auslösende Melder lokalisieren. Ein Atemschutztrupp sowie ein Gruppenführer kontrollierten mithilfe der sogenannten Laufkarten, welcher Rauchmelder ausgelöst hatte und ob tatsächlich ein Brand oder lediglich ein Fehl- beziehungsweise Täuschungsalarm vorlag.

Ausbildung in Zugstärke

Der Begriff „Zugübung“ bezeichnet den Einsatz eines vollständigen Löschzuges. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme handelt es sich dabei nicht um ein einzelnes Löschfahrzeug, sondern um mehrere Einsatzfahrzeuge mit unterschiedlicher Aufgabenstellung, die in einer festgelegten taktischen Reihenfolge ausrücken und am Einsatzort koordiniert zusammenarbeiten.

Bei der Feuerwehr Waging besteht ein Löschzug in der Regel aus dem Einsatzleitwagen (ELW 1), dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20/16), der Drehleiter (DLA(K) 23/12) sowie dem Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25). Dadurch stehen bereits in der Anfangsphase eines Einsatzes alle wesentlichen Führungs-, Lösch- und Rettungsmittel zur Verfügung. Ausgearbeitet wurden beide Übungen von den Führungskräften Anton Groschack und Thomas Pfeffer in enger Abstimmung mit Pflegeheimleiter Hubert Sailer.

Führung und Zusammenarbeit im Mittelpunkt

Zugübungen dienen vor allem dazu, das Zusammenspiel mehrerer taktischer Einheiten unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. „Ziel ist es, bei größeren Schadenslagen die Führungskompetenzen zu festigen, die Kommunikation zu optimieren und komplexe Einsatzszenarien routiniert abarbeiten zu können“, erläutert Anton Groschack.

Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Führungsstrukturen. Der Zugführer übernimmt als Einsatzleiter die Gesamtverantwortung und erteilt den Gruppenführern die Einsatzbefehle. Diese setzen die Aufträge anschließend mit ihren Fahrzeugbesatzungen um. Gleichzeitig werden Funkverkehr, Befehlsübermittlung und die Zusammenarbeit über mehrere Führungsebenen hinweg geübt.

Ein Löschzug besteht im Regelfall aus 22 Einsatzkräften. Je nach Lage kann die tatsächliche Mannschaftsstärke jedoch variieren. An den beiden Übungen beteiligten sich neben der Feuerwehr Waging jeweils auch die Freiwilligen Feuerwehren Gaden und Nirnharting. „Das eigentliche Einsatzszenario haben wir im Vorfeld bewusst nicht bekannt gegeben“, erklärt Thomas Pfeffer. „Dem Zugführer und den anrückenden Kräften war lediglich bekannt, dass die Brandmeldeanlage des Seniorenheims ausgelöst hatte.“

Erster Übungseinsatz: Brand im Technikraum

Bei der ersten Lageerkundung stellte sich heraus, dass im Technikraum des ersten Obergeschosses ein Brand ausgebrochen war. Daraufhin wurden die zunächst im Bereitstellungsraum an der Salzburger Straße wartenden Einsatzfahrzeuge an der Nordseite des Gebäudes eingesetzt.

Da zwei Arbeiter als vermisst galten, hatte die Menschenrettung oberste Priorität. Im weiteren Verlauf lösten zwei zusätzliche Rauchmelder aus. Die Erkundung ergab, dass ein weiteres Zimmer verraucht war und dort zwei angenommene bettlägerige Bewohner gerettet werden mussten.

Die Brandbekämpfung erfolgte im Innenangriff. Parallel dazu stellte die Drehleiter eine sogenannte Anleiterbereitschaft sicher und schuf damit einen zweiten Rettungs- beziehungsweise Rückzugsweg. Die Feuerwehr Gaden übernahm den Aufbau einer Löschwasserversorgung über einen Überflurhydranten sowie die Kontrolle weiterer Bewohnerzimmer. Insgesamt kamen zehn Atemschutzgeräteträger zum Einsatz. Die Einsatzleitung lag bei Maximilian Huber.

Zweites Szenario: Kellerbrand mit mehreren Vermissten

Bei der zweiten Übung wurde ein Brand in der Tiefgarage des Seniorenheims angenommen. Unterstützt wurde die Feuerwehr Waging diesmal von der Freiwilligen Feuerwehr Nirnharting. Auch hier war den Einsatzkräften lediglich die Auslösung der Brandmeldeanlage bekannt. Das eigentliche Szenario entwickelte sich erst während der Erkundung.

Im Mittelpunkt stand die Rettung von sechs bewusstlosen Personen aus verrauchten Werkstätten und Lagerräumen im Kellergeschoss. Da der Zugang über das Tiefgaragentor nicht möglich war, mussten alternative Zugangswege genutzt werden. Unter der Leitung von Michael Schramke kamen erneut zehn Atemschutzgeräteträger zum Einsatz.

Realistische Bedingungen

Für eine möglichst realitätsnahe Darstellung wurde ungefährlicher Diskothekennebel eingesetzt, der von Feuerwehrmann Florian Metzger erzeugt wurde. Ein spezieller Rauchvorhang verhinderte dabei die Ausbreitung des Nebels in nicht betroffene Gebäudebereiche. Zusätzlich standen während der gesamten Übungen tragbare Belüftungsgeräte bereit. Für die Bewohner des Seniorenheims bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr oder Beeinträchtigung.

Erfolgreiche Bilanz

In der abschließenden Nachbesprechung zeigte sich, dass verschiedene taktische Möglichkeiten zur Menschenrettung und Brandbekämpfung bestanden hätten. „Etwaige Verbesserungsvorschläge werden im Rahmen der Übungsnachbereitung gemeinsam besprochen“, erklärten Anton Groschack und Thomas Pfeffer. „Gerade dafür sind solche Übungen da.“

Auch Pflegeheimleiter Hubert Sailer und Techniker Helmut Bauer zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Einsatzkräfte. „Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass ehrenamtliche Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner rund um die Uhr bereitstehen und im Ernstfall schnell und professionell helfen können“, betonte Sailer.

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Text: Thomas Pfeffer, Hubert Hobmaier, Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Bilder: Feuerwehr Waging