Rollende Zeitzeugen der Feuerwehrgeschichte

12. Januar 2026

Zurückgeholt, restauriert, fahrbereit: Museum zeigt im niederbayerischen Pfarrkirchen historische Einsatzfahrzeuge

Pfarrkirchen – Kutschen mit handbetriebenen Pumpen um 1880, frühe motorisierte Löschfahrzeuge und seltenes historisches Zubehör: Nach Jahrzehnten sind bedeutende Zeugnisse der Feuerwehrgeschichte ins niederbayerische Pfarrkirchen (Lkr. Rottal-Inn) zurückgekehrt. Ein Förderverein hat alle noch verfügbaren sieben historischen Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr zusammengeführt und in einem 300 Quadratmeter großen Museum öffentlich zugänglich gemacht – darunter auch das erste motorisierte Fahrzeug der Wehr aus dem Jahr 1927.

„Jedes dieser Fahrzeuge steht für Mut, gelebten Zusammenhalt und den technischen Weg der Feuerwehr über mehr als ein Jahrhundert“, sagt Vereinsvorsitzender Heinz Hohenthaner (68). Was als Initiative engagierter Feuerwehrkameraden begann, entwickelte sich zu einem in Bayern einzigartigen Projekt. Der 1996 gegründete Verein „Freunde der alten Feuerwehr Pfarrkirchen“ zählt heute 73 Mitglieder, die ehrenamtlich die Sammlung betreuen. Die Stadt Pfarrkirchen unterstützt das Projekt seit Jahren. „Der Verein leistet einen außergewöhnlichen Beitrag zur Pflege des historischen Feuerwehrwesens und damit zu unserer Stadtgeschichte“, lobt der erste Bürgermeister Wolfgang Beißmann.

Schmuckstück der Sammlung: Opel LW10 von 1927

Auslöser der Sammelleidenschaft war der große Zuspruch zum Oldtimerfestzug im Jahr 1990. Damals nahmen rund 100 historische Fahrzeuge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil, darunter ein Opel LW10 von 1927. Ein Meilenstein folgte 2000, berichtet Vereinsvorsitzender Heinz Hohenthaner, als dem Verein das erste motorisierte Einsatzfahrzeug zum Kauf angeboten worden sei. Der Opel LW10 mit dem einzigartigen Aufbau des Pfarrkirchner Karosseriebauers Franz Xaver Harlander leistet 40 PS, verfügt über 2595 Kubikzentimeter Hubraum und ist mit einer Pumpe der Firma Gugg & Söhne aus dem oberösterreichischen Braunau am Inn ausgestattet. Der Kaufpreis betrug zu dieser Zeit 21.000 Mark (rund 11.000 Euro).

Ein weiterer wichtiger Schritt war der Erwerb eines Tanklöschfahrzeugs von 1955, das mit über 1.400 ehrenamtlichen Arbeitsstunden restauriert worden sei, erzählt Vereinsmitglied Peter Wilhelm-Reiter. Später ist ein Opel Blitz von 1940 hinzugekommen, der nach wechselvoller Geschichte – unter anderem als Werbefahrzeug in Augsburg – zurück nach Pfarrkirchen geholt worden sei. Nicht alle Fahrzeuge konnten gerettet werden: „Ein Löschfahrzeug gilt nach dem Verkauf auf den afrikanischen Kontinent als verloren“, weiß der Vorsitzende.

Zur Sammlung gehören außerdem historisches Löschzubehör, Spritzen, Schläuche, Atemschutzanzüge, handgezogene Feuerwehrkutschen ab etwa 1880 sowie eine handbetriebene, fahrzeugmontierte Drehleiter von 1901. Seit 2007 sind die Exponate in einer Halle im Stadtteil Höckberg untergebracht, ein Erweiterungsbau wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt. Ab Mitte 2026 steht die volle Ausstellungsfläche von rund 300 Quadratmetern zur Verfügung.

Alle Museumsstücke sind fahrbereit, TÜV-geprüft sowie technisch und optisch aufbereitet. Sie werden bei Oldtimertreffen gezeigt und können für Hochzeiten oder Veranstaltungen von Blaulicht-Organisationen gemietet werden. Das Museum zieht Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten niederbayerischen Raum und dem Bäderdreieck an.

Öffnungszeiten: nach Voranmeldung
Info: Feuerwehrmuseum Pfarrkirchen, Schlesierring 14, 84347 Pfarrkirchen
Heinz Hohenthaner, Tel. 0171/2336376, www.alte-feuerwehr-pan.de

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Bericht: Verein Freunde der alten Feuerwehr Pfarrkirchen e. V.

Bildtext:
Rollende Zeitzeugen der Brandbekämpfung ab 1880 sind im Feuerwehrmuseum Pfarrkirchen zu sehen. Vorsitzender Heinz Hohenthaner (Bild rechts) und Vereinsmitglied Peter Wilhelm-Reiter präsentieren die Schätze der Sammlung. (Foto: Josef König/Pressebüro König/honorarfrei).