Bericht zum Werbejahr 2021 der freiwilligen Feuerwehr Lohr am Main

21. Dezember 2021
Freiwillige Feuerwehr Bayern Ehrenamt Öffentlichkeitsarbeit

Die Zahl der aktiven Feuerwehrdienstleistenden ging in Lohr a. Main seit einigen Jahren kontinuierlich zurück, wodurch auch die Einsatzbereitschaft nicht mehr sichergestellt war. Daher war es unbedingt nötig, neue Aktive für den Einsatzdienst zu gewinnen.

Bereits 2019 stellte die Kommandantur der Feuerwehr Lohr mit einem Team intensive Überlegungen an, wie man neue Einsatzkräfte begeistern könnte. Hierzu wurden verschiedene Analysen angestellt, deren Ergebnis zeigte, dass in der Vergangenheit vor allem Schüler für das Ehrenamt Feuerwehr motiviert werden konnten. Diese konnten aber oft aufgrund ihrer weiteren Lebensplanung nicht in der Mannschaft gehalten werden. So wechselten viele zum Studium, oder für den festen Arbeitsplatz nach dem Studium, ihren Wohnort und standen nicht mehr zur Verfügung. Eine für die Feuerwehr immens wichtige Personengruppe, zwischen 30 und 45 Jahren, konnte in der Vergangenheit kaum geworben werden. Weitere Betrachtungen und Befragungen ergaben, dass vor allem die langwierige Modularetruppausbildung (MTA), für diesen Altersbereich, einen Hinderungsgrund darstellte, der Feuerwehr beizutreten. Die familiären und beruflichen Situationen hinderten viele daran, in der Feuerwehr aktiv zu werden. Da sowohl Familie als auch Beruf Konstanten sind, die kaum zu beeinflussen sind, blieb nur noch die Möglichkeit die MTA anzupassen.

Ziel musste es sein, diese MTA innerhalb einer möglichst kurzen Zeitspanne anzubieten, um mehr Menschen zu motivieren, sich für den Einsatzdienst ausbilden zulassen. Daher wurde das Konzept Vollzeit-MTA ins Leben gerufen. Die MTA sollte in Anlehnung an einen Lehrgang an der Feuerwehrschule, komprimiert in der Feuerwache Lohr abgehalten werden. Da für die Zeit der Ausbildung Verdienstausfall gezahlt werden musste, war die Zustimmung der örtlichen Politik notwendig. Nachdem alle Genehmigungen vorlagen, wurde der Pilotlehrgang für den Sommer 2021 geplant.

Es war aber natürlich auch nötig, Teilnehmer für diesen Pilotlehrgang zu finden, daher wurde das Team „Öffentlichkeitsarbeit“ im Herbst 2020 intensiviert und personell aufgestockt. Hier hat sich die Vorstandschaft des Feuerwehrvereins sehr mit eingebunden. Das Zusammenspiel zwischen Vereinsführung und Feuerwehrführung hat sich als hervorragend erwiesen. Durch enge Abstimmungen und gemeinsames Brainstorming entstanden viele Ideen, die ausgearbeitet und umgesetzt wurden. Gemeinsam wurde ein Konzept entwickelt, um die Arbeit der Feuerwehr Lohr im Stadtgebiet populärer zu machen. Hierbei stand die Aufklärung über Ausbildung, Einsätze und Übungen im Vordergrund, und nicht der erhobene Zeigefinger, der jedem, der nicht bei der Feuerwehr tätig ist, ein schlechtes Gewissen machen soll.

Ein sehr großer Teil der Öffentlichkeitsarbeit war der mediale Auftritt der Feuerwehr Lohr. Hierfür wurde noch im Jahr 2020 die Homepage komplett neugestaltet. Die Auftritte bei Facebook und Instagram bekamen ein einheitliches Design, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Außerdem wurde das Hashtag #wirbrauchendich eingeführt, um alle Posts der Feuerwehr Lohr zu kennzeichnen. Um Aufmerksamkeit zu erregen, wurden in den Social-Media-Kanälen jeden Sonntag lustige, interessante oder auch provokante Bilder veröffentlicht, die einen Einblick in das Einsatzgeschehen der Feuerwehr Lohr gaben und die Vielfältigkeit der Feuerwehrarbeit zeigten. Eine Schnitzeljagd durch das gesamte Stadtgebiet der Stadt Lohr, versüßte den Kindern die Zeit des Lockdowns und schaffte ebenfalls Aufmerksamkeit für die Feuerwehr.

Zusätzlich berichtete der örtliche You-Tube-Kanal „Schneewittchen-TV“ in zwei Sendungen über die Feuerwehr Lohr. Durch dieses regelmäßige Engagement bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit, wurden regionale Printmedien und auch verschiedene Radiosender auf die Aktionen der Feuerwehr Lohr aufmerksam und berichteten in ihren Medien darüber.

Vor allem ein großes Graffiti, von einem, überregional bekannten, Künstler das für die Feuerwehr auf einen Brückenpfeiler gesprüht wurde, erregte große Aufmerksamkeit. Zu sehen ist ein brennender PKW mit dem Spruch „Du brauchst uns und #wirbrauchendich“ und dem Logo der Feuerwehr.

Es sollten aber auch die bereits aktiven Mitglieder der Feuerwehr dazu bewegt werden, aus ihrem jeweiligen Umfeld, sei es im Freundeskreis oder auf der Arbeit, neue Einsatzkräfte zu werben. Um hierfür einen Anreiz zu schaffen, wurde die Aktion „Aktive werben Aktive“ ins Leben gerufen. Für jede so neu gewonnene Einsatzkraft, bekommt der Werber bzw. die Werberin als sofortige Prämie einen Gutschein für Getränke in der Floriansstube der Feuerwehr Lohr sowie einen weiteren Gutschein der örtlichen Werbegemeinschaft oder eines Geschäfts/Restaurants nach Wahl. Wenn das neue aktive Mitglied nach abgeschlossener MTA noch mindestens ein Jahr aktiv am Übungs- und Einsatzdienst teilnimmt, erhält der Werber bzw. die Werberin eine weitere Prämie in Form von Gutscheinen.

Durch diese verschiedenen Arten der Werbung, konnten einige neue Mitglieder geworben werden, die dann im Spätsommer mit der ersten Vollzeit-MTA starten konnten. Ein berufstätiger Familienvater, eine PTA, ein Beamter und ein selbstständiger Unternehmer wurden eine Woche in Vollzeit ausgebildet. Die restlichen zu absolvierenden Unterrichtsstunden wurden an Wochenenden durchgeführt. So konnten die Teilnehmer am Ende der Ausbildung die verschiedenen Zeitmodelle am besten bewerten.

Als Ergebnis konnte festgehalten werden, dass vor allem die Ausbildung in Vollzeit zu einer intensiven Gruppenbildung geführt hat, die durch das herkömmliche Modell nicht zu Stande gekommen wäre. Der Ausbildungsteil am Wochenende wurde von den Teilnehmern als weniger optimal empfunden, da hier vor allem das Privatleben in Mitleidenschaft gezogen wurde. Von Seiten der Arbeitgeber ergaben sich durch die Vollzeitausbildung auch keine Probleme, da die anfallenden Lohnkosten von der Stadt Lohr erstattet und die jeweiligen Termine frühzeitig angekündigt wurden. Aufgrund dieser Erfahrungen, wird für das Frühjahr 2022 wieder eine Vollzeit MTA geplant. Diese soll jedoch keine Zeitanteile am Wochenende beinhalten, sondern rein unter der Woche stattfinden. Um jedoch die Arbeitgeber nicht zu sehr zu belasten, werden die beiden Ausbildungswochen in einem Abstand von drei bis vier Wochen stattfinden. Am Ende der zweiten Woche findet eine Prüfung statt, nach der alle erfolgreichen Absolventen mit Funkmeldeempfängern ausgestattet werden und somit für den Einsatzdienst gerüstet sind.

Die Werbung weitere aktive Mitglieder für den Feuerwehrdienst, endete aber nicht mit der MTA. Im Oktober nutzte die Wehr die Chance sich im Rahmen der „Lohrer Lieblingsplätze“, eine Aktion der Werbegemeinschaft Lohr in der Innenstadt zu präsentieren. Durch eine Fahrzeugschau und verschiedene Aktionen für Kinder, konnten einige Bürger neugierig auf den Feuerwehrdienst gemacht werden.

Den größten Zulauf bekam die Feuerwehr Lohr allerdings durch die Einladung zu einem Infoabend. Mit einem Brief, der an alle Bürgerinnen und Bürger im Alter von 16 bis 50 Jahren verschickt wurde, luden der Bürgermeister und der Kommandant der Feuerwehr Lohr zu einem Infoabend in die Wache Lohr ein. An diesem Abend wurden den Interessenten die Aufgaben der Feuerwehr in einer Power Point Präsentation vorgestellt. Außerdem konnten sie in einer Fahrzeugschau, dem Gespräch mit den Absolventen der Vollzeit-MTA, sowie weiteren aktiven Feuerwehrdienstleistenden die Gerätschaften erklären lassen. Weiterhin wurden die Ausbildungsmöglichkeiten und die weitere Vorgehensweise als Feuerwehranwärter vorgestellt. Dieser Abend konnte als großer Erfolg verbucht werden, da sich insgesamt 16 Personen bereit erklärt haben, den Feuerwehrdienst anzutreten.

Insgesamt konnten im Jahr 2021 bisher 19 neue Einsatzkräfte gewonnen werden. 16 davon werden im Frühjahr 2022 ihre MTA absolvieren und dann für den Einsatzdienst zur Verfügung stehen.

Abschließend ist zu sagen, dass das Jahr 2021 sehr anstrengend war und viele Zeit gekostet hat. Dieser Einsatz hat sich aber mehr als gelohnt, wenn man die Zahl der neuen Einsatzkräfte und den neu gestalteten Auftritt in den sozialen Medien betrachtet.

Sebastian Mademann
Federführender Kommandant

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