Win-Win für Landkreis und Feuerwehren

9. Juli 2026

Das Feuerwehrausbildungszentrum im Landkreis Weilheim-Schongau | Aus: Florian Kommen Nr. 148 (Juni 2026)

Am 28.03.2026 war es so weit: das Feuerwehr-Ausbildungszentrum des Landkreises Weilheim-Schongau konnte mit einer kleinen Einweihungsfeier seiner Bestimmung übergeben werden. Rekordverdächtig – waren doch seit den ersten Sondierungsgesprächen zwischen der Landrätin, dem Kreiskämmerer und dem Kreisbrandrat lediglich rd. 2 1/2 Jahre vergangen und genau genommen wurden erste Ausbildungsveranstaltungen bereits seit Herbst 2025, also noch ein halbes Jahr früher, durchgeführt.

Wie kam es? Wo doch allüberall bekannt ist, dass sich öffentliche Vorhaben meistens eine Ewigkeit hinziehen. Die Antwort ist kurz: Glück, viel gegenseitiges Vertrauen und der gemeinsame Wille, die Chance am Schopf zu packen.

Wie wahrscheinlich viele Feuerwehrführungskräfte in ganz Bayern, plagen sich Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta und die Mitglieder der Kreisbrandinspektion Weilheim-Schongau mit der Problematik, dass es einen ständigen Ausbildungsbedarf der Feuerwehrleute gibt, der mit den bisherigen und bewährten Möglichkeiten, nämlich der Ausbildung innerhalb der Feuerwehren selbst, der überörtlichen Ausbildung an unterschiedlichen Standorten und der Lehrgänge, Seminare usw. an den staatlichen Feuerwehrschulen nur bedingt bedient werden kann.

In Oberbayern gibt es einige Landkreise, die bereits seit längerer Zeit eine zentrale Kreisausbildungsstätte betreiben und die benachbarten Kollegen im Landkreis Landsberg am Lech können zurecht und mit Stolz auf die gute Auslastung ihres immer noch neuen Feuerwehrausbildungszentrums verweisen.

Schon länger, aber in den letzten Jahren zunehmend, klagen praktisch alle Landkreise und Kommunen über eine mangelhafte Finanzausstattung und es ist kein Geheimnis, dass der Landkreis Weilheim-Schongau sich schon viele Jahre mit Investitionen schwertut.

Der Vorschlag für einen Neubau eines Feuerwehrausbildungszentrums nach dem Vorbild der Landsberger Kollegen wäre sicher nicht sehr erfolgreich gewesen und wahrscheinlich wäre ein derartiges Vorhaben in eine unbestimmte Zukunft verschoben worden.

Kreisbrandrat Sobotta verfolgte nach längerem Überlegen einen anderen Ansatz und suchte eben im Juni 2023 zunächst das Gespräch mit dem Kreiskämmerer. Die Idee war, ob es im Landkreisgebiet irgendwo eine Fläche im Eigentum des Landkreises gäbe, welche die Feuerwehren nutzen könnten. „Mach einen Zaun drum und stell uns ein paar Container auf, wie sie da und dort auch für Schulen verwendet werden. Und wir machen dann was draus.“ Das war seine konkrete Ansage.

Leider musste der Kämmerer verneinen, weil es nichts Geeignetes gab, jedenfalls nichts, was für diesen Zweck brauchbar erschien. Der grundsätzliche Bedarf für die Feuerwehren wurde aber gar nicht bestritten und der Kämmerer entgegnete, ob man sich vorstellen könnte, Räumlichkeiten der ehemaligen Berufsschule zu nutzen. Diese war zum damaligen Zeitpunkt in ihren Schulneubau gezogen und eine Nachnutzung der bisherigen Berufsschule konnte, hauptsächlich wegen der alten Bausubstanz, bisher nicht gefunden werden. So weit hergeholt war die Idee nicht, hatte doch der Kreisbrandmeister für Atemschutz bereits vor Jahren in der Runde der Kreisbrandinspektion angemahnt: „Da sollten wir schauen, ob wir nicht einen Fuß in die Tür bekommen.“

Diesen hatte man nun buchstäblich in der Tür. Zwar war der Plan kein Selbstläufer, aber die schnell angefragten politischen Entscheider mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß an der Spitze hatten allesamt ihre Zustimmung zu dem Projekt bekundet. Wohl auch deshalb, weil seitens der Kreisbrandinspektion sowie des Kreisfeuerwehrverbandes von Anfang an zugesichert wurde, dass sich die Feuerwehren durch Eigenleistung, Anwerbung von Spenden, Mitteln des Kreisfeuerwehrbandes usw. so weit wie möglich eigenständig um die Ausstattung und Ausgestaltung des nun geplanten Feuerwehrausbildungszentrums kümmern wollten.

Anfangs waren Räume im Gespräch, die eine Gesamtfläche von rund 1.800 qm umfassten (Schulungsräume, ehemalige Werkstattbereiche, Nebenflächen). Das war viel. So viel, dass sämtliche Ideen, beispielsweise die Einrichtung von Übungs-Wohnungen für die Schulung von Atemschutz-Innenangriffen oder das Einrichten von Werkstattbereichen für die Fortbildung von Gerätewarten oder für eine Maschinistenschulung. Auch an allgemeine Aufenthaltsbereiche und eigene Spiel und Übungsräume für die Kinder- und Jugendfeuerwehren hatte man gedacht und es wären trotzdem noch Raumkapazitäten frei geblieben. Die Umsetzung all dieser und anderer Ideen hätte Jahre gedauert und aus wirtschaftlicher Sicht war es fragwürdig, bestehende Räume so lange ungenutzt zu lassen.

Zwischenzeitlich wurde an den Landkreis eine Anfrage der Hochschule München gerichtet, die im Raum Weilheim die Einrichtung eines Technologie-Transfer-Zentrums, kurz TTZ, einrichten möchte. Mit einem TTZ verfolgt man das Ziel, Unternehmen aus der Region mit der Hochschule zusammen zu bringen und diesen somit den Zugang zu modernsten Technologien und passenden Expertennetzwerken zu ermöglichen. Ein vergleichbares Projekt existiert bereits seit einigen Jahren in Bad Tölz, wo es TIZIO Transfer- und Innovationszentrum im Oberland heißt.

Der Kreistag hat diesem Anliegen zugestimmt und Räumlichkeiten angeboten, die sich ebenfalls in der ehemaligen Berufsschule befinden. Die damit verbundene Reduzierung der Flächen für die Feuerwehr ist aus oben genannten Gründen gut verschmerzbar. Letztlich sind für die Feuerwehr noch über 800 qm verblieben und mit den neuen Nachbarn hat man bestimmt ein gutes Auskommen.

Im Bereich des Feuerwehrausbildungszentrums gibt es einen Schulungsraum, einen Raum für Klausuren, Besprechungen, Seminare und dergleichen, einen Lehrmittelraum, zwei große ehemalige Werkstattbereiche und einen langen, breiten Schulflur, in dem man sich Schautafeln, Garderoben und ähnliches vorstellen kann.

Die Schulungs- und Besprechungsräume wurden zwischenzeitlich gegen eine Spendenquittung von einem Feuerwehrkameraden, der einen Malerbetrieb hat, geweißelt. Vom größten Arbeitgeber im Landkreis wurden ausgemusterte Möbel gespendet, die von den Feuerwehren mit ihren Logistikfahrzeugen innerhalb weniger Stunden vom 25 km entfernten Penzberg nach Weilheim umgezogen wurden. Der Kreisbrandrat spendierte den Kaffeevollautomaten und der Landkreis stattet das Ausbildungszentrum mit der notwendigen Medientechnik aus. Und eine Gerüstbaufirma hat - vorläufig zeitlich befristet - ein Gerüst im Werkstattbereich aufgestellt, mit dem Rettungsübungen aus Höhen durchgeführt werden können.

Weiterhin sollen Planspielplatten aufgebaut
werden, mit denen zukünftig Schulungen für Führungskräfte durchgeführt werden können. Dieses bewährte Ausbildungsmittel ist ein Projekt für die Jugendfeuerwehren. Einerseits können sich die Jugendlichen handwerklich und spielerisch bestätigen, andererseits kommen die jungen Kameradinnen und Kameraden aus völlig unterschiedlichen Ecken des Landkreises zusammen, um ein gemeinsames Projekt voranzutreiben. Und sie bekommen gleich einen Bezug zum Ausbildungszentrum.

Wer schon einmal ein Häuschen für eine Modelleisenbahn gekauft hat, weiß, dass da eine ganz schöne Summe an Geld zusammenkommt. Also machte man sich auf die Suche, ob jemand so ein Modellhaus oder anderes Zubehör spendieren würde, oder ob irgendwo etwas ungenutzt im Keller oder auf dem Speicher liegt.

Durch einen für die Feuerwehren wiederum glücklichen Umstand hat sich das Problem ganz schnell gelöst. Gibt es doch im Landkreis einen Modelleisenbahnverein, der nur noch wenige Mitglieder hat und im Begriff ist, sich aufzulösen. Die Vereinsmitglieder haben bekundet, ihre riesige Modelleisenbahnlandschaft dem Feuerwehrausbildungszentrum zur Verfügung zu stellen. Einzige Bedingung: die Modelle oder Einzelteile dürfen nicht veräußert werden und über die Geschichte soll eine Tafel im Feuerwehrausbildungszentrum berichten. Die Planungen für den Abbau, Umzug und Wiederaufbau laufen bereits. Es wird noch einige Wochen und Monate dauern, bis alles erledigt ist, aber alle freuen sich riesig.

Seit dem Einzug konnten bereits einige zusätzliche Ausbildungen angeboten werden. Ein Seminar für Ausbilder in den Feuerwehren beispielsweise oder ein Praxisseminar über die Möglichkeiten realistischer Übungsdarstellung mit Hilfe von Pyrotechnik. Auch zusätzliche Erste-Hilfe-Ausbildungen wurden schon abgehalten und es sind derzeit eine Ausbildung für das Halligan-Tool sowie ein Treffen der Betreuer von Kinderfeuerwehren geplant. Die Möglichkeiten sind vielfältig und das Ausbildungsangebot soll Schritt um Schritt weiter ausgebaut werden.

„Glück, viel gegenseitiges Vertrauen und der gemeinsame Wille, die Chance am Schopf zu packen.“ Nicht immer müssen es die hohen Investitionssummen sein. Die Feuerwehren, die politischen Entscheidungsträger, die Verwaltung und alle sonst Beteiligten haben die Chance genutzt und ein zukunftsorientiertes Projekt schnell und erfolgreich auf den Weg gebracht.

./.

Bericht: Dr. Rüdiger Sobotta, Vorsitzender BFV Oberbayern

Bilder: 

  • Bild 1: Wegbeschilderung zum Feuerwehrausbildungszentrum [Foto: Sobotta]
  • Bild 2: Die Feuerwehrkameradin und Pyrotechnikerin Mebel Hummig zeigt, wie man spannende Übungsszenarien gestalten kann. [Foto: Weinzierl]
  • Bild 3: Die Schulungsräume bieten ausreichend Platz. [Foto: Weinzierl]
  • Bild 4: Die Werkstattbereiche vor Einzug der Feuerwehr. [Foto: Sobotta]
  • Bild 5: Die Feuerwehren helfen fleißig beim Transport gespendeter Möbel. [Foto: Sobotta]

Aus: Florian Kommen Nr. 148 (Juni 2026)