Vorstellung des bayerischen Abrollbehälters Kulturgutschutz
Der bayerische Abrollbehälter Kulturgutschutz macht den Ernstfall anschaulich: Am Donnerstag, 30. Juli 2026, informierten Wissenschaftsminister Markus Blume und Generaldirektor Dr. Bernhard Grau gemeinsam mit dem Notfallverbund Bayern über die mobile Rettungsstation für Kulturgut.
Der bayerische Abrollbehälter Kulturgutschutz macht den Ernstfall anschaulich: Am Donnerstag, 30. Juli 2026, informierten Wissenschaftsminister Markus Blume und Generaldirektor Dr. Bernhard Grau gemeinsam mit dem Notfallverbund Bayern über die mobile Rettungsstation für Kulturgut. Der Notfallverbund stellte die Funktionen sowie die Einsatz- und Abrufmöglichkeiten vor. In einer Praxisvorführung zeigten Restauratorinnen, wie schriftliches Kulturgut gereinigt und für den Weitertransport gesichert wird.
Minister Blume: „Unsere Kulturschätze sind unersetzlich, Vorsorge deshalb unverzichtbar! Kulturgutschutz beginnt lange vor der Katastrophe: mit klugen Konzepten, starken Partnerschaften und moderner Einsatztechnik. Der Notfallverbund Bayern vernetzt die maßgeblichen Kulturinstitutionen mit den Einsatzkräften. Die Abrollbehälter sorgen dafür, dass diese Kompetenz im Ernstfall schnell am Einsatzort verfügbar ist. Das ist gelebte Resilienz: Archive, Bibliotheken, Museen und Feuerwehr arbeiten Hand in Hand, um unser kulturelles Erbe zu bewahren.“
Naturkatastrophen, Extremwetterlagen und deren Folgen treffen immer häufiger auch Kultureinrichtungen. Eine Bewältigung derartiger Schadensereignisse allein auf lokaler Ebene ist oft nicht mehr möglich. Immer bedeutsamer wird daher eine überregional vernetzte Infrastruktur für den Kulturgutschutz mit entsprechender personeller und technischer Ausstattung.
Über die „Aufbauhilfe 2021“ unterstützt der Bund die 2021 von Hochwasser und Starkregen betroffenen Regionen beim Wiederaufbau und die dort beheimateten Kultureinrichtungen bei der Bewältigung entstandener Schäden. Aus den dafür bereitgestellten Mitteln sollen insgesamt zehn Notfallcontainer mit Ausrüstung und Materialien für den Kulturgutschutz in Deutschland beschafft und für den bundesweiten Einsatz bereitgehalten werden. Übergeordnetes Ziel der über das Bundesgebiet zu verteilenden Container ist die Schaffung einer vernetzten Notfallinfrastruktur Kulturgutschutz, die auch zusammengezogen werden kann.
Für Bayern wurden ein Abrollbehälter Kulturgutschutz nach dem Vorbild des bereits im Einsatz bewährten Abrollbehälters des Notfallverbundes Köln und ein Abrollbehälter Kühlung beschafft. Im Abrollbehälter Kulturgutschutz wird havariertes Kulturgut dokumentiert, gereinigt und für den Weitertransport oder die Einlagerung verpackt. Der Abrollbehälter Kühlung dient dem Transport und der kurzfristigen Einlagerung von geschädigtem Kulturgut und dem Transport weiterer Materialien für die Erstversorgung. Beide Abrollbehälter stehen an einem logistisch gut erreichbaren Standort im Raum München für den überregionalen Abruf über den Notfallverbund Bayern bereit. Die finale Entscheidung, ob ein Anlass für eine Anforderung des Containers vorliegt, trifft der Notfallverbund Bayern. Über den Notfallverbund wird auch die Mannschaft des Containers – abgestimmt auf das jeweils betroffene Kulturgut – alarmiert. Die Feuerwehr Unterschleißheim oder der Landesfeuerwehrverband Bayern e.V. übernehmen den Transport der Abrollbehälter zum Einsatzort.
Zur landesweiten Notfallvorbereitung auf Großschadensereignisse schlossen sich im Juni 2024 führende bayerische Kultureinrichtungen zum Notfallverbund Bayern zusammen. Unterstützt wird der Notfallverbund vom Landesfeuerwehrverband Bayern e.V., den bayerischen Feuerwehren sowie dem Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration und dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Im Falle eines Großschadensereignisses bündeln die im Notfallverbund Bayern zusammengeschlossenen Institutionen ihre personellen, fachlichen und technischen Ressourcen, um unersetzliches Kulturgut vor Verlust und Zerstörung zu bewahren. Auf dem Gelände der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg absolvierte der Notfallverbund Bayern vom 6. bis zum 8. Juli 2026 erfolgreich seine erste Übung mit den beiden neuen Abrollbehältern. Bei der Übungskonzeption unterstützt wird der Notfallverbund Bayern vom Lehrstuhl für forensische Restaurierungswissenschaft organischer Polymere der Universität Bamberg. Dort entsteht derzeit eine Masterarbeit zum Übungs- und Einsatzkonzept.
Weitere Informationen:
Kulturgutschutz in Bayern
Notfallverbund Bayern
Notfallverbünde in Deutschland
Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes (KEK) berücksichtigt die
Notfallvorsorge in ihren Förderlinien und unterstützt etwa den Ankauf von Notfallboxen und anderen Ausrüstungsgegenständen oder die Ausarbeitung von Notfallplänen. Eine Übersicht bisher geförderter Projekte im Bereich Notfallvorsorge ist über die Homepage der KEK abrufbar.
Ebenfalls auf der Homepage der KEK bereitgestellt wird eine interaktive Übersichtskarte aller Notfallverbünde in Deutschland.
Der SicherheitsLeitfaden Kulturgut (SiLK) bietet Archiven, Bibliotheken und Museen mit einem kostenfreien Online-Tool die Möglichkeit, in einer Selbstevaluation das Sicherheitsniveau der eigenen Einrichtung zu erheben und Schwachstellen aufzudecken.
Die gemeinsamen Empfehlungen zum Notfallmanagement in Archiven und Bibliotheken der Bund-Länder-Gremien wurden 2024 neu gefasst und sind hier abrufbar.
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Bericht und Bilder: Die Staatlichen Archive Bayerns
Abb. 1 und 2: Staatsminister Markus Blume bei den Vorführungen im Abrollbehälter Kulturgutschutz; Foto: Elisabeth Miletic, Bayerisches Hauptstaatsarchiv.
Abb. 3: Gruppenfoto vor dem Abrollbehälter Kulturgutschutz, von links nach rechts:
Jürgen Weiß (Landesfeuerwehrverband Bayern e.V.), Stefan Deschermeier (Kreisbrandinspektion Landkreis München), Johann Eitzenberger (Vorsitzender Landesfeuerwehrverband Bayern e.V.), Staatsminister Markus Blume, Leiterin der Restaurierungswerkstatt des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Dr. Bernhard Grau (Generaldirektor der Staatlichen Archive), Dr. Laura Scherr (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns), Mitwirkende des Notfallverbunds Bayern; Foto: Elisabeth Miletic, Bayerisches Hauptstaatsarchiv.