Verbandsarbeit 2026
Themen und Projekte | Aus: Florian Kommen Nr. 147 (März 2026)
Der Landesfeuerwehrverband Bayern setzt sich als Interessensvertretung aller bayerischen Feuerwehren kontinuierlich für feuerwehr- und ehrenamtsfreundliche Rahmenbedingungen ein. Als Fach- und Dachverband orientiert sich die Zusammenarbeit mit den für das Feuerwehrwesen zuständigen Stellen stets an den aktuellen Herausforderungen der rund 330.000 Feuerwehrdienstleistenden in Bayern und unseren über 990.000 Mitgliedern in den Feuerwehrvereinen. Auf den nachfolgenden Seiten geben wir einen Überblick über aktuelle thematische Arbeitsschwerpunkte und konkrete laufende Projekte.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Nach der Novellierung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes 2025 steht in diesem Jahr die Überarbeitung der dazugehörigen Ausführungsverordnung (AVBayFwG) und Vollzugsbekanntmachung (VollzBekBayFwG). Die offizielle Verbandsanhörung zu diesen gesetzlichen Grundlagen des Feuerwehrdienstes hat noch nicht begonnen. Erste in der verbandlichen Diskussion erkannte Änderungsbedarfe bestehen z.B. in Bezug auf den Kreisbrandrat. Wünschenswert wäre z.B., dass der KBR in jedem Fall auch Leiter der Brandschutzdienststelle ist. Auch eine Unterstützung des KBR mit hauptamtlichem, qualifiziertem Personal sollte präzisiert werden.
Weiter gibt es Überlegungen zu Fragen der Geeignetheit eines Bewerbers / einer Bewerberin für den Feuerwehrdienst: analog dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz sollte im Rahmen der Geeignetheit zusätzlich gefordert werden, dass der/die Bewerber/in ausdrücklich für die freiheitlich demokratische Grundordnung eintreten muss.
Zudem bedarf es einer Konkretisierung des Ausschlussverfahrens. Der LFV Bayern spricht sich dafür aus, dass die Aufnahme in die Feuerwehr durch den Kommandanten erfolgen soll, der Ausschluss aus der Feuerwehr hingegen durch die Gemeinde.
Bereits heute ist abzusehen, dass sich für Änderungen an der Hilfsfrist keine verbandliche Mehrheit finden wird. Die Hilfsfrist soll in unveränderter Form beibehalten werden.
Weiter setzt sich der LFV Bayern dafür ein, dass feuerwehrfachliche Arbeit auf Kreis-, Bezirks- und Landeseben, die ehrenamtlich und verbandlich organisiert geleitstet wird, dem allgemeinen Feuerwehrdienst gleichgestellt wird.
Katastrophenschutz
Die Vertretung der Interessen der Feuerwehren im Bereich des Katastrophenschutzes stellt seit Jahren eine wichtige verbandliche Daueraufgabe. Die gemeindliche Einrichtung Feuerwehr wird weiterhin die Rolle des Erstansprechpartner vor Ort im Zivilschutz bleiben. Daher gilt es insbesondere angesichts der weltpolitischen Lage und zunehmender Naturgefahren, die Rahmenbedingungen der Feuerwehren zur Erfüllung dieser Aufgaben kontinuierlich zu stärken.
Nach wie vor gilt es, die Ausbildungsangebote im Bereich Katastrophenschutz und Führung weiter auszubauen. Beispielhaft sei hier etwa Lehrgang zur Deichverteidigung und dem Hochwasserschutz genannt, der bereits erfolgreich testweise durchgeführt wurde, aber noch nicht verbindlich in das staatliche Lehrgangsangebot aufgenommen wurde.
Bei der Führung von sogenannten Hilfeleistungskontingenten und von Teileinheiten sollten aus Sicht des LFV Bayern die Kompetenzen einsatzerfahrener, ehrenamtlicher Führungskräfte noch stärker genutzt werden.
Verbesserungen sind nach wie vor bei der Verfügbarkeit einsatzrelevanter Informationen im Katastrophenschutz erforderlich. Defizite gibt es beispielsweise bei der Verfügbarkeit von Informationen zu Mehrfachverwendungen. Viele Feuerwehrdienstleistende sind nicht nur in der Feuerwehr aktiv, sondern etwa auch bei anderen Hilfsorganisationen oder der Bundeswehr. Welche personellen Ressourcen im Katastrophenfall bei den Feuerwehren tatsächlich zur Verfügung stehen und welche Ressourcen durch anderweitige Einsatztätigkeit gebunden sind, ist eine zentrale Information, die es systematischer zu erfassen gilt. Hoffnung auf eine zielgerichtete Lösung geben aktuelle Gespräche mit Vertretern aus dem wissenschaftlichen Bereich.
Projekt Sammelbeschaffung LF 10 Bayern
Dieses Projekt stellt das prägendste und zentralste in diesem Jahr. Projektbeteiligte sind der LFV Bayern, das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration, der Bayerische Gemeindetag, der Bayerische Städtetag sowie für die externe juristische Beratung die Mayburg Rechtsanwälte MbH. Als technischer Berater seitens des LFV Bayern fungiert KBR Richard Schrank (Lkr. Rosenheim).
Noch zum Ende des vergangenen Jahres hat der Landesfeuerwehrverband Bayern e.V als verfahrensdurchführende Stelle eine erste unverbindliche Abfrage bei den Kommunen in Bayern durchgeführt. Im Ergebnis haben sich bis Mitte Januar 2026 rund 240 Gemeinden und Städte grundsätzlich interessiert gezeigt.
Durch die Sammelbeschaffung sollen insbesondere der Verwaltungsaufwand und externe und neutrale Beratung reduziert werden, bei gleichzeitiger Kostenersparnis durch erhöhte Zuwendungen und Preisvorteilen aufgrund höherer Stückzahlen. Die Kreis- und Stadtbrandräte sind wie gewohnt eingebunden und werden regelmäßig über den Verfahrensstand informiert.
Die Ausschreibung im engeren Sinne ist für Juni 2026 vorgesehen.
Einheitliches Auftreten der bayerischen Feuerwehren
Aus den Mitgliedsverbänden wird verstärkt der Wunsch nach einem (wieder) einheitlicheren Auftreten der bayerischen Feuerwehren laut. Insbesondere die zunehmende Uneinheitlichkeit der Schutzkleidung wird für die Wahrnehmung der Institution Feuerwehr kritisch gesehen. Aber auch in Bezug auf die Dienstjacke („Uniform“) gibt es Diskussionsbedarfe, z.B. in der Frage, ob die Möglichkeit zum Tragen von Dienstgradabzeichen auch auf der Dienstjacke - wie auf der Tagesdienstkleidung schon eingeführt – ermöglicht werden sollte.
Ein verbandliche Aufgabe 2026 wird es daher sein, durch eine breite Beteiligung eine mehrheitsfähige, verbandliche Position zu diesen Fragen zu erarbeiten und ggf. auch schon erste Schritte zu einer möglichen Umsetzung von Änderungswünschen zu erörtern.
Projekt Infomobil Öffentlichkeitsarbeit / Bevölkerungsschutz
Bereits mehrere Feuerwehrverbände unterhalten sogenannte Roadshowfahrzeuge zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit für die Feuerwehren. Roadshowfahrzeuge dienen mit ihrer Bühnen-, Audio- und Videotechnik als Drehscheibe für den Austausch mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern auf Veranstaltungen.
Derzeit erarbeitet eine Arbeitsgruppe im LFV Bayern unter enger Einbeziehung des Fachbereichs 6 ein Konzept zur Nutzung eines solchen Fahrzeugs. Ziel ist es, eine professionelle, mobile, für die Mitgliederverbände und Feuerwehren ausleihbare Messetechnik für eigene Veranstaltung bereitzustellen, um die Mitgliedergewinnung, Imagewerbung aber auch die Aufklärung der Bevölkerung zu Themen des Brand- und Bevölkerungsschutzes vor Ort zu fördern.
Das bereits konzeptionell fortgeschrittene Projekt könnte vorausgesetzt einer finalen positiven Entscheidung im verbandlichen Willensbildungsprozess aller Voraussicht nach noch 2026 umgesetzt werden.
Projektförderung des StMI: Förderung von Migranten in den Feuerwehren
Gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration setzt der LFV Bayern 2026/2027 ein Projekt im Rahmen einer zur Förderung von Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr, insbesondere zur Förderung der Anwerbung von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte bei der Freiwilligen Feuerwehr um. Das Projekt ist ein Beitrag zur Förderung der Integration in den Freiwilligen Feuerwehren. Ein Teil der gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen wird durch den LFV Bayern im Rahmen einer Förderung des StMI, ein anderer direkt durch das StMI umgesetzt. Eng mit eingebunden ist die Jugendfeuerwehr Bayern.
Zu den geplanten Maßnahmen gehören:
- Erlebnisboxen zur interkulturellen Öffnung für die Kreis- und Stadtjugendfeuerwehren zur Gestaltung von Gruppenstunden zum Thema
- Seminarangebote für die bayerischen Feuerwehren zum Thema „Interkulturelle Kompetenzen“
- Mehrsprachige Informationsbroschüren zur Aufklärung über das Feuerwehrwesen in Bayern, insbesondere über die Ehrenamtlichkeit des Feuerwehrdienstes
- Eine Informationsbroschüre des StMI mit Ansprechpartnern und Anlaufstellen zum Thema Integration
- Mehrsprachige Auflagen des Flyers „Mach mit“ der Jugendfeuerwehr Bayern, die ebenfalls für die Anwerbung von Aktiven/ Quereinsteigenden und für Kindergruppen adaptiert werden sollen
- Flankierend zum Projekt soll es in Anlehnung an die Kampagne „Viele Gesichter. Eine Heimat“ Social Media Inhalte geben, die authentische erfolgreiche Geschichten der Integration in der Feuerwehr vermitteln
Info
Satzungsgemäße Aufgaben
Der LFV Bayern ist die gesetzlich legitimierte Interessensvertretung der bayerischen Feuerwehren und wird seit der Novellierung des BayFwG 2025 auch namentlich im Gesetz genannt. Zu den satzungsgemäßen Aufgaben zählen u.a.:
- Förderung der Aus- und Fortbildung
- Weiterbildung der Feuerwehrangehörigen sowie Austausch feuerwehrtechnischer Erfahrungen
- Betreuung und Förderung der Mitgliedsverbände und der Jugendarbeit in den Feuerwehren
- Unterstützung und Zusammenarbeit mit den am Brand- und Katastrophenschutz interessierten und dafür verantwortlichen Stellen
- Förderung der Einsatzbereitschaft innerhalb der Feuerwehren und allen im Brand- und Katastrophenschutz tätigen Organisationen
- Mitwirkung bei der Unfallverhütung, Unfallversicherung und anderen sozialen Einrichtungen
- Förderung sozialer Einrichtungen der Feuerwehren, die steuerbegünstigte Zwecke verfolgen
- Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung des Feuerwehrgedankens
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Aus: Florian Kommen Nr. 147 (März 2026)