Sicherheit als Fundament des Spitzensports

19. Januar 2026

Feuerwehren ziehen positive Weltcup-Bilanz - reibungsloser Ablauf der Biathlon-Woche

Ruhpolding. Wenn die Weltelite des Biathlons in der Ruhpoldinger Chiemgau Arena um Millimeter und Sekunden kämpft, herrscht auf den Tribünen und entlang der Strecke eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Während jedoch die Blicke von insgesamt mehr als 85.000 Fans gebannt auf die Zielscheiben sowie die Zielgerade gerichtet sind, sorgt im Hintergrund ein nahezu unsichtbares, engmaschiges Netzwerk aus Feuerwehr und Rettungskräften für die notwendige Sicherheit.

Für die Freiwillige Feuerwehr Ruhpolding, den Kreisfeuerwehrverband Traunstein sowie zahlreiche weitere Feuerwehren des Landkreises Traunstein ist der Weltcup 2026 weit mehr als ein sportliches Großereignis. Er ist das Ergebnis monatelanger, gemeindeübergreifender strategischer Vorbereitung und zugleich ein sichtbares Zeichen für die Leistungsfähigkeit des Ehrenamts in der Region.

Sorgfältige Planung hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen des Biathlon-Zirkus steht ein Einsatzkonzept, das bereits Monate vor dem ersten Startschuss Gestalt annimmt. In enger Abstimmung zwischen dem Veranstalter, dem Ordnungsamt der Gemeinde Ruhpolding, der Kreisbrandinspektion sowie den Führungen von Polizei, THW und BRK-Rettungsdienst wurden Szenarien analysiert, Kräftebedarfe berechnet und Flucht- sowie Rettungswege definiert.

Kreisbrandrat Christof Grundner betont: „Die Sicherheit einer solchen Großveranstaltung ist kein Zufallsprodukt.“ Die fachlichen Planungen münden in ein detailliertes Einsatzkonzept, das Jahr für Jahr reflektiert, kritisch hinterfragt und kontinuierlich optimiert wird. Ziel sei es, so Grundner weiter, „eine Umgebung zu schaffen, in der sportliche Begeisterung und ein friedliches Miteinander im Vordergrund stehen können, ohne dass die Sicherheit der Besucher jemals zur Debatte steht“.

Bis zu 200 Rettungskräfte täglich im Einsatz

Die operative Umsetzung während der Wettkampfwoche erforderte täglich den Einsatz von bis zu 80 Feuerwehrkräften sowie zusätzlich bis zu 120 Helferinnen und Helfern von Rettungsdienst und Bergwacht. Das Sicherheitskonzept stützte sich dabei auf zwei zentrale Säulen: Zum einen die Brandschutzsicherheitswache direkt in der Chiemgau Arena, die jederzeit eingreifen konnte und die vorhandenen Brandschutzeinrichtungen kontinuierlich überwachte. Zum anderen die Sicherstellung des sogenannten Grundschutzes für den Ort Ruhpolding.

Da die personellen Kapazitäten der Feuerwehr Ruhpolding durch das Großereignis stark gebunden waren, zeigte sich die Stärke des regionalen Verbundes. Während die Feuerwehr Ruhpolding sowohl die Brandschutzsicherheitswache in der Arena stellte als auch den Grundschutz im Ortsgebiet gewährleistete, unterstützten die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Eisenärzt unter anderem bei der Koordination der Busabfahrten, der Verkehrslenkung sowie bei der Einweisung auf den Parkflächen im Ortsgebiet.

Von der Ölspur bis zum festgefahrenen PKW

„Es war heuer sehr auffallend, dass sich an den Abfahrtshaltestellen die Menschen sehr entspannt und mit bester Stimmung präsentiert haben“, reflektiert Klaus Pertl, Kommandant der Feuerwehr Eisenärzt, der im Nachgang von einer „perfekten Organisation und einen reibungslosen Ablauf“ der Besucherströme an den Bushalteplätzen spricht.

Da der Weltcup nicht nur Ruhpolding selbst, sondern auch die umliegenden Gemeinden betraf, übernahmen die Feuerwehren Inzell und Siegsdorf die Verkehrslenkung sowie den Parkplatzdienst in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen. Diese überörtliche Zusammenarbeit stellte sicher, dass trotz der Konzentration auf die Arena der reguläre Brandschutz für die Bürgerinnen und Bürger jederzeit auf professionellem Niveau gewährleistet blieb. Auch aus Inzell wird ein reibungsloser Einsatz gemeldet.

In Siegsdorf halfen die Einsatzkräfte einem PKW Fahrer der sich mit seinem Wagen auf der Staatsstraße 2098 bei einem Wendemanöver festgefahren hatte. „Um einen Verkehrsstau zu vermeiden haben wir den PKW kurzerhand mit unserem Logistik LKW aus dem Schnee gezogen“, berichtet Kommandant Manfred Steiner und freut sich insbesondere darüber, „dass die neuangeschafften Winkemännchen den Verkehrsfluss am Parkplatz deutlich verbesserten und wir damit für viel Freude bei den Autofahrern sorgten.

Allein in der Chiemgau Arena leisteten die Floriansjünger an den fünf Wettkampftagen nahezu 2.100 ehrenamtliche Helferstunden. Damit trugen sie entscheidend zu einem reibungslosen Veranstaltungsablauf und zur Sicherheit der Bevölkerung bei. Tatsächlich musste die Feuerwehr lediglich bei einer kleineren Ölspur im Bereich der Arena eingreifen. Ansonsten agierten die Einsatzkräfte dezent im Hintergrund oder standen den Besucherinnen und Besuchern als Ansprechpartner, Ratgeber oder Wegelotsen zur Verfügung.

Moderne Infrastruktur für schnelle Entscheidungen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die hochmoderne technische Infrastruktur der Einsatzleitung. In einer eigens errichteten Containeranlage direkt am Veranstaltungsgelände liefen alle Informations- und Entscheidungsstränge zusammen. Hier arbeiteten die Führungskräfte der Feuerwehr eng verzahnt mit Vertretern des gemeindlichen Ordnungsamtes und den weiteren Sicherheitsbehörden.

Die Nutzung bestehender Glasfaserverbindungen, ergänzt durch mehrere Backup-Strategien und eine komplexe digitale Vernetzung, ermöglichte es, Besucherströme in Echtzeit auf mehreren Bildschirmen zu verfolgen und Einsatzprotokolle ohne Zeitverzug zu führen. Die kurzen Wege zwischen den beteiligten Organisationen beschleunigten die Abstimmungsprozesse erheblich – trotz der Verarbeitung von Datenmengen von über 3.000 Gigabyte. Diese technologische Basis ist essenziell, um bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung proaktiv handeln zu können, anstatt lediglich auf Ereignisse zu reagieren.

Logistische Meisterleistung abseits der Loipe

Neben dem klassischen Brandschutz übernahmen die Feuerwehren eine tragende Rolle in der Verkehrs- und Besucherlogistik. Tausende Fahrzeuge wurden auf die Parkflächen in Ruhpolding sowie in den Nachbargemeinden Inzell und Siegsdorf eingewiesen. Besonders die Koordination der Shuttlebusse an der Arena erforderte ein hohes Maß an Konzentration und Kommunikation, um einen reibungslosen Zu- und Abstrom der Fans sicherzustellen.

Um die Motivation der ehrenamtlichen Einsatzkräfte bei den langen Dienstzeiten hochzuhalten, wurde eine eigene logistische Versorgungseinheit betrieben. In einer kleinen Bewirtungsstation sorgten eigens eingesetzte „Feuerwehrköche“ für die Verpflegung der Helferinnen und Helfer. „Diese kurzen Momente des Aufwärmens und des internen Austauschs sind für den Zusammenhalt der Truppe von unschätzbarem Wert“, betont Ruhpoldings Kommandant Michael Mayer.

Darüber hinaus wurde die sogenannte „Master-Feuerwehr-Führungsstelle“ im Landratsamt aktiviert, um im Falle eines größeren Schadensereignisses eine übergeordnete Koordination der Feuerwehrkräfte sicherzustellen. An allen Wettkampftagen war eine kleine Stabsmannschaft vor Ort, die das Geschehen in der Chiemgau Arena beobachtete und bei Bedarf vordefinierte Kräfte mit erhöhter Alarmbereitschaft aktivieren konnte.

Fazit aus Sicht der Feuerwehr

Am Ende der Weltcup-Woche 2026 ziehen sowohl der Ruhpoldinger Kommandant als auch die Kreisbrandinspektion eine durchweg positive Bilanz. „Die monatelange Vorarbeit hat sich ausgezahlt, und alle Rädchen griffen nahtlos ineinander“, resümiert Michael Mayer. „Allein die Personalplanung benötigt rund zwei Monate Vorlauf, und anschließend sind wir fast vier Wochen mit dem Aufbau und der Einrichtung unserer Einsatzleitzentrale beschäftigt. Ohne die Erfahrung aus den vergangenen Jahren wären wir aufgeschmissen.“

Gleichzeitig bleibt die Feuerwehr ihrem lösungsorientierten Ansatz treu: Nach dem Biathlon ist vor dem Biathlon. In den kommenden Wochen werden die gewonnenen Erkenntnisse detailliert ausgewertet, um das Sicherheitskonzept für die nächste Weltcup-Auflage noch innovativer und effizienter zu gestalten. Damit sich der Chiemgau erneut als erstklassiger Gastgeber präsentieren kann – sicher, professionell und mit Herzblut für Sport und Ehrenamt.

./.

Text: Stefan Lohwieser, Hubert Hobmaier; Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Bilder: Stefan Lohwieser, Kreisfeuerwehrverband Traunstein, Feuerwehren Ruhpolding, Siegsdorf und Eisenärzt