Klausurtagung 2026
Fachlicher Austausch der Kreis- und Stadtbrandräte | Aus: Florian kommen Nr. 148 (Juni 2026)
Am 27. und 28. Februar fand die jährliche Klausur- und Führungskräftetagung des LFV Bayern erneut im Aus- und Fortbildungszentrum Mühlbach der Kaminkehrer-Innungen Oberfranken, Unterfranken und Oberpfalz in Mühlbach bei Dietfurt statt. Zahlreiche Kreis- und Stadtbrandräte, Vorsitzende der Kreis- und Stadtfeuerwehrverbände und Leiter der Berufsfeuerwehren, sowie die Leiter/innen der LFV-Fachbereiche kamen zum fachlichen Austausch zusammen.
Zu Beginn der Tagung begrüßte Vorsitzender Johann Eitzenberger besonders die seit der letzten Klausurtagung neu gewählten KBR / SBR bzw. Vorsitzende der KFV / SFV sowie die neuen Fachbereichsleiter auf LFV-Ebene auf. Die neuen Funktionsträger stellten sich der Versammlung kurz vor, darunter:
- KBR Michael Brandl, KFV Berchtesgadener Land
- SBR Stephan Scheuerer, SFV Fürth
- KBR Martin Bauer, KFV Freyung-Grafenau
- Vorsitzender Harald Gibis, KFV Freyung-Grafenau
- KBR Christian Leppert, KFV Wunsiedel im Fichtelgebirge
- KBR Albert Wirth, KFV Ebersberg
- KBR Julian Liebermann, KFV Mühldorf
- KBR Alexander Bönig, LFV-Fachbereichsleiter 1
- KBI Martin Singer, LFV-Fachbereichsleiter 3
- KBR Michael Stahl, LFV-Fachbereichsleiter 5
Nachfolgend finden Sie einen kurzen Überblick über zentrale fachliche Themen der Tagung.
Aktuelles aus dem LFV Bayern
Johann Eitzenberger stellte zunächst einige zentrale Projekte des LFV Bayern kurz vor. Neben einem Projekt zur Erarbeitung von Hilfestellungen und Informationsmedien zum Übertritt aus der Jugend in den aktiven Dienst (LFV Bayern, JF Bayern, FB 10), einem Projekt zur Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Freiwilligen Feuerwehren (LFV Bayern, JF Bayern, StMI) und der Vorstellung der neuen Flyer-Serie „Das gute Miteinander“, stellt insbesondere das Projekt zur bayernweiten Sammelbeschaffung eines LF-10 einen zentralen Arbeitsschwerpunkt dar. Eitzenberger sprach kurz die Novellierung der AVBayFwG und VollzBekBayFwG sowie die verbandlichen Forderungen im Bevölkerungs-, Zivil- und Katastrophenschutz an. Mit Blick auf die Facharbeit kündigte der Vorsitzende an, dass auch auf Landesebene ein Fachbereich14 - CBRN gegründet werden wird.
Fachreferentin Sarah Altmann von der Jugendfeuerwehr Bayern stellte die „Erlebnisboxen Integration“ vor, die im Rahmen des oben genannten Förderprojekts zur Förderung von Menschen mit Migrationsgeschichte erarbeitet wurden. Die Erlebnisboxen mit Materialien im Wert von rund 400 € wurden an der Tagung an alle KFV/SFV zur Weitergabe an die Kreis- und Stadtjugendwarte ausge-geben. Weitere Informationen zur Erlebnisbox finden Sie auf S. 17.
Landes-Jugendwart Heinrich Scharf hatte gleich zwei überaus positive Mitteilungen: zum einen hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen von 2024 auf 2025 erneut um insgesamt 4.100 erhöht – ein Mitgliederrekord in den Kinder- und Jugendfeuerwehren – zum anderen berichtete er von dem erfolgreichen Projekt „Knotenbeutel“, welches von der DB InfraGO gesponsort wurde. Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf S. 16 in dieser Ausgabe.
Dr. Marina Wieluch, Referentin für die Öffentlichkeitsarbeit, informierte die anwesenden Führungskräfte über das Projekt „Infomobil Öffentlichkeitsarbeit & Bevölkerungsschutz“. Ziel des Projekts ist es, die Feuerwehr stärker zu den Menschen zu bringen. Dazu stellte sie die Vorschläge des Fachbereichs 6 – Öffentlichkeitsarbeit zum Einsatz eines solchen Infomobils vor. Das Projekt fand in der anschließenden Online-Befragung große Zustimmung der anwesenden Führungskräfte, so dass das Projekt weiterverfolgt wird.
Landesgeschäftsführer Uwe Peetz informierte zu Themen des Versicherungsschutzes. Gut zu wissen: für die öffentlichen Feuerwehren besteht eine kommunale Haftpflicht für die Pflichtaufgaben der Feuerwehr. Von den Kommunen wird oft eine Zusatzhaftpflicht abgeschlossen. Falls dies bei der Versicherungskammer Bayern geschieht, ist automatisch immer eine Vereinshaftpflicht dabei. Für die Verbände besteht über den LFV Bayern eine Haftpflichtversicherung, eine Dienstfahrtversicherung für Schäden am eigenen Fahrzeug und gegen eine Höhergruppierung, für persönliche Gegenstände eine Belegschaftshabeversicherung sowie ein Versicherungsschutz für die Kinderfeuerwehren, welche an die Vereine angegliedert sind. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass bei einer Angliederung der Kinderfeuerwehren über die Gemeinde automatisch ein Versicherungsschutz über die KUVB besteht, wodurch deutlich höhere Versicherungsleistungen beinhaltet sind. Versicherungsschutz kann auch durch die Landkreise für die Inspektion, Ausbilder und Schiedsrichter abgeschlossen werden.
Projekt- und Netzwerkkoordinatorin Andrea Schießl berichtete ausführlich aus den verschiedenen Projekten im Netzwerk für Bayerns Feuerwehren. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Abschlussbericht des Projekts „#team112: Willkommen in der Freiwilligen Feuerwehr!“, welches 2024/25 im Landkreis Roth durchgeführt und von der Deutschen Stiftung Engagement und Ehrenamt (DSEE) gefördert wurde. Projektziel war es, Ansatz-punkte zur Förderung von Vielfalt in den Freiwilligen Feuerwehren zu erarbeiten und praktisch zu erproben. Weiter berichtete Schießl über zahlreiche kleinere Projekte und Angebote von Netzwerkpartnern wie der LBE, dem Bayerischen Bündnis für Toleranz, der Versicherungskammer Stiftung, der lagfa bayern, der Bayern Allianz gegen Desinformation u.v.m.
Abschließend berichtete Fachbereichsleiter Robert Wagner (Fachbereich 9 – Brandschutzerziehung, Brandschutzaufklärung) über die neuen Brandschutzerziehungskoffer. Diese werden künftig mit den Inntal-Werkstätten als neuen Partner gefertigt und können über den LFV Bayern-Shop bezogen werden. Die Versicherungskammer Bayern bezuschusst bis zu zwei Koffer pro Kreisfeuerwehrverband.
Themen des StMI
MRin Marlene Werner berichtete zum Sachstand zur Aktualisierung AVBayFwG und VollzBekBayFwG. Dabei nannte sie bereits erste Punkte, die derzeit geprüft werden, u.a. etwa in Bezug auf die Mindeststärke einer Feuerwehr, der Einführung eines neuen Dienstgrades „Erster Hauptfeuerwehrmann“, die Konkretisierung der Eignung hinsichtlich Zuverlässigkeit und Demokratie. Zur VollzBek sprach sie als mögliche Themen für eine Überarbeitung unter anderem Anforderungen an Dritte hinsichtlich der Durchführung einer Sicherheitswache oder auch Änderungen bei Entbindung/Ausschluss aus der Feuerwehr an. Einzelheiten werden wie gewohnt im Rahmen der offiziellen Verbändeanhörung diskutiert werden.
MR Frank Unkroth berichtete zum Themenbereich Katastrophenschutz. Dabei ging er auf das neue Landesamt für Bevölkerungsschutz, Entwicklungen zum Papier Katastrophenschutz 2025, den aktuellen Gerätesatz Notstrom, sowie die Verteilung der Bundeshaushaltsmittel für den Bevölkerungsschutz ein.
Gesprächsrunde mit dem Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, MdL Joachim Herrmann
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betonte bei der Klausur- und Führungskräftetagung des Landesfeuerwehrverbandes in Dietfurt einmal mehr die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat und dem Landesfeuerwehrverband: "Die Staatsregierung wird auch künftig mit aller Kraft daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für den Feuerwehrdienst in Bayern weiter zu verbessern und neue, starke Lösungen auf den Weg bringen. Denn unsere Feuerwehrfrauen und -männer leisten einen unersetzlichen Beitrag für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Freistaat." Ein großer Fortschritt wurde bereits durch die Novellierung des Bayerischen Feuerwehrgesetzes im vergangenen Jahr erreicht. "Mit der Anhebung der Altersgrenze auf das gesetzliche Renteneintrittsalter sowie der Einführung einer ausdrücklichen Regelung für die Entschädigung von Ausbildern haben wir entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt", betonte Innenminister Herrmann.
Grundbedingungen für die freiheitliche Demokratie und für die Stabilität unseres Gemeinwesens sind laut Herrmann die Gewährleistung von Schutz und Sicherheit für die Bevölkerung. Der Freistaat Bayern stellte in den letzten Jahren insgesamt 92 Millionen Euro für den Katastrophenschutz zur Verfügung. "Dieses hohe Niveau schreiben wir auch im Entwurf des Doppelhaushalts 2026/2027 weiter fort. Denn wir wollen beste Voraussetzungen für unsere Einsatzkräfte", bekräftigte der Minister.
Auch das Lehrgangsangebot werde laut Herrmann fortlaufend erweitert und optimiert sowie die drei Staatlichen Feuerwehrschulen kontinuierlich ausgebaut. "Dafür hat der Freistaat seit 2011 mehr als 122 Millionen Euro investiert. Für aktuelle Baumaßnahmen an allen drei Schulen sind zudem weitere Millionen eingeplant", erklärte Herrmann.
KBR Richard Schrank informierte die Teilnehmenden und Innenminister Herrmann zudem über den technischen und terminlichen Stand des Projektes Sammelbeschaffung LF 10 Bayern, bei welchem der LFV Bayern als verfahrensdurchführende Stelle tätig ist. Innenminister Joachim Herrmann äußerte seine Begeisterung über das Projekt. Er freue sich über die sehr positive Resonanz und dankte allen am Projekt Beteiligten sowie dem LFV Bayern, dass dieser das Projekt übernommen hat. Falls sich das Projekt bewährt, könne über eine Fortführung mit anderen Fahrzeugtypen nachgedacht werden, so der Innenminister. Er verwies dabei auf die seit Jahren einheitliche Ausschreibung für Rettungsdienstfahrzeuge.
Die Führungskräfte hatten die Möglichkeit, im Vorfeld Fragen an Innenminister Herrmann einzureichen, die dieser zum Abschluss seines Besuches ausführlich beantwortete.
Weitere fachliche Themen
Die zweitägige Veranstaltung bot den Führungskräften zudem die Gelegenheit, zahl-reiche spannende Fachvorträge zu besuchen. KBR Matthias Rocca etwa berichtete mit über den lang andauernden Waldbrandeinsatz in einem munitionsbelasteten Waldgebiet im Tennenloher Forst im Landkreis Erlangen-Höchstädt.
Frau Dr. Laura Scherr von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und Sprecherin der Kontaktgruppe Notfallverbund Bayern stellte das Thema Kulturschutz und den neuen Abrollbehälter Kulturgutschutz des Freistaats Bayern vor. Der Abrollbehälter war dazu vor Ort ausgestellt und konnte besichtigt werden.
Dr. Arne Seifert von der LITB (Landesweite Informationstechnologie im Bevölkerungsschutz) stellte die Entwicklung im Bayerischen Digitalfunk und die neue Einrichtung LITB vor. Der Leiter des Fachbereichs 7, Andreas Englberger, informierte ergänzend über Themen aus dem Fachbereich zum Digitalfunk und der Alarmierungsbekanntmachung, welche vom StMI in einigen Bereichen angepasst werden soll. Die Funkrufnamen-Richtlinie befindet sich derzeit in der Prüfung durch das LITB.
Fachbereichsleiter des Fachbereichs 5 (Einsatz, Katastrophenschutz, Zivilschutz), KBR Michael Stahl, verglich die Hilfeleistungskontingente in Bayern mit dem Fähigkeitsmanagement im Bund und erläuterte die Unterschiede. Es wurden Vorteile durch Modularität und Angleichung an das Fähigkeitsmanagement des Bundes bzw. anderer Bundeländer erkannt.
Stephan Brust, stv. Schulleiter der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg, informierte ausführlich über den Gerätesatz Notstrom und die stattgefundene Ausbildung bei der Übergabe der ersten Gerätesätze. Während der Klausurtagung war die Fahrzeugbeladung eines Gerätesatzes ausgestellt, so dass sich die Teilnehmenden selbst ein Bild davon machen konnten.
Fachbereichsleiter KBR Alexander Bönig (Fachbereich 1 – Fahrzeuge, Geräte, Ausrüst-ung, Dienstkleidung) informierte über die Feuerwehr-Fahrberechtigung und die 4.EU-Führerscheinrichtlinie vom 22.10.2025. Dabei ging er auf zwei Varianten der Feuerwehr-Fahrberechtigungen und der Umsetzung in seinem Landkreis ein. Weiter stellte Bönig die Gedanken zur mittelfristigen Rückkehr zu einheitlichen Schutzanzügen für Bayerns Feuerwehr vor. In einer Online-Umfrage unter den anwesenden Feuerwehrführungskräften zeigte sich große Zustimmung für eine einheitliche Farbgebung (dunkelblau) für Schutzanzüge der bayerischen Feuerwehren. Der Fachbereich 1 wird einen Arbeitskreis einrichten, der sich weiter mit der Thematik beschäftigt.
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Aus: Florian kommen Nr. 148 (Juni 2026)