Einsatzende beim Bergwaldbrand in Oberwösse

10. August 2026

Neuntägiger Einsatz nun abgeschlossen – Fast 1.000 Helfer vor Ort

Unterwössen, Oberwössen. Als am Abend des 29. Juli die ersten Flammen an der steilen Lackenbergwand entdeckt wurden, ahnte niemand, dass daraus einer der anspruchsvollsten Waldbrandeinsätze der vergangenen Jahre im Landkreis Traunstein entstehen würde. Neun Tage lang kämpften Feuerwehr, Bergwacht, Bayerische Polizei, Bayerisches Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk, Forstbetriebe und zahlreiche weitere Organisationen Seite an Seite gegen das Feuer – unterstützt von Hubschraubern, modernster Drohnentechnik und einer außergewöhnlichen Welle der Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung. Was am Ende bleibt, ist nicht nur die Bilanz eines erfolgreich bewältigten Großeinsatzes, sondern auch die Geschichte einer Dorfgemeinschaft und unzähliger Einsatzkräfte, die in einer außergewöhnlichen Lage eng zusammengerückt sind.

Dank des schnellen und eng abgestimmten Zusammenwirkens aller Beteiligten konnte die Ausbreitung des Feuers bereits in einer frühen Phase gestoppt und ein Übergreifen auf weitere Waldflächen sowie die darunterliegende Bebauung verhindert werden. Gleichzeitig zeigte der Einsatz eindrucksvoll, wie leistungsfähig die Gefahrenabwehr im Landkreis Traunstein ist – und wie groß der Zusammenhalt einer ganzen Region sein kann.

Der Brand war am 29. Juli gegen 18 Uhr im Bereich der Lackenbergwand gemeldet worden. Noch am selben Abend rückten zahlreiche Feuerwehren aus, während drei Hubschrauber die ersten Löschmaßnahmen aus der Luft unterstützten. Aufgrund der dynamischen Lage stellte das Landratsamt Traunstein am folgenden Tag den Katastrophenfall fest. Diese Entscheidung erwies sich rückblickend als entscheidender Erfolgsfaktor. Sie ermöglichte die zentrale Koordination sämtlicher Einsatzkräfte sowie den schnellen Einsatz umfangreicher Luftunterstützung.

Betroffen waren rund 5 Hektar Bergwald in bis zu 900 Meter Höhe

Bereits am 2. August konnte der Katastrophenfall wieder aufgehoben werden. Nach dem Ablöschen des letzten bekannten Glutnestes und anschließenden engmaschigen Kontrollen endete der Einsatz schließlich in den Nachmittagsstunden des 6. August. Inzwischen konnten die meisten Schläuche, Pumpen und weiteren Einsatzmittel wieder aus dem Berg zurückgebaut werden. Aufgrund der weiterhin anhaltenden Trockenheit werden Fahrzeuge und Geräte nun schnellstmöglich gereinigt und wieder vollständig einsatzbereit gemacht.

Nach aktuellem Stand waren rund fünf Hektar Bergwald betroffen. Innerhalb dieser Fläche brannte das Feuer in unterschiedlicher Intensität. Das Einsatzgebiet erstreckte sich zwischen 685 und 911 Metern Höhe in einem extrem steilen, felsdurchsetzten und steinschlaggefährdeten Schutzwald – ein Gelände, das den Einsatzkräften alles abverlangte.

Fast 1.000 Helfer in neun Tagen im Einsatz

Während der neun Einsatztage waren insgesamt 955 Einsatzkräfte beteiligt. In Spitzenzeiten befanden sich rund 300 Helferinnen und Helfer gleichzeitig im Einsatz. Unterstützt wurden die Feuerwehren aus mindestens 27 Standorten vor allem aus den Landkreisen Traunstein, dem Berchtesgadener Land, Rosenheim und weiteren Nachbarlandkreisen, von der Bergwacht, der Bayerischen Polizei, dem Bayerischen Roten Kreuz mit Rettungsdienst und Drohnenteams, dem Technischen Hilfswerk aus Traunstein und Traunreut, den Bayerischen Staatsforsten sowie privaten Unternehmen. Trotz der enormen Belastung und der natürlichen Gefahren im Berg wurde lediglich eine Einsatzkraft leicht verletzt.

Entscheidend für den schnellen Einsatzerfolg war die Kombination aus Luft- und Bodenbrandbekämpfung. Mehrere Hubschrauber der Bayerischen Polizei sowie österreichische Löschhubschrauber transportierten mehr als 1,3 Millionen Liter Wasser in das kaum zugängliche Einsatzgebiet. Gleichzeitig errichteten die Einsatzkräfte am Boden ein weit verzweigtes Löschwassernetz mit leistungsfähigen Pumpen, mehreren Faltbehältern und hunderten Metern Schlauchleitungen. Nochmals eine weitere Million Liter Löschwasser wurden durch die Tankfahrzeuge im Pendelverkehr in den Berg gebracht.

Das Löschwasser wurde überwiegend dem Wössner See entnommen, dessen Pegel trotz der enormen Fördermengen dank des natürlichen Zuflusses nur geringfügig sank. Eine Schlüsselrolle spielte moderne Drohnentechnik. Wärmebilddrohnen von Bergwacht, BRK und Polizei ermöglichten das schnelle Auffinden versteckter Glutnester. Lastendrohnen transportierten Material in Bereiche, die für Fahrzeuge oder größere Mannschaften kaum erreichbar waren.

Eine besondere Herausforderung stellte das Arbeiten im Steilhang dar. Verborgene Geröllfelder unter einer dünnen Waldbodenschicht sowie permanente Steinschlaggefahr erschwerten die Löscharbeiten erheblich. Um die Ausbreitung des Feuers talwärts zu verhindern, errichteten die Einsatzkräfte sogenannte Kreisregnerstrecken. Gemeinsam mit der Bergwacht Marquartstein wurde hierfür eigens eine neue Befestigungstechnik entwickelt, die sich während des Einsatzes hervorragend bewährte.

Nur eine Einsatzkraft hat sich leicht verletzt

Für den Kommandanten der Feuerwehr Oberwössen, Korbinian Mühlberger, ist der Einsatzerfolg vor allem das Ergebnis einer außergewöhnlichen Teamleistung. „Vom ersten Moment an haben alle Organisationen hervorragend zusammengearbeitet. Jeder Handgriff hat gesessen. Gerade die enge Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bergwacht, Polizei und den Hubschrauberbesatzungen war ausschlaggebend dafür, dass wir den Brand so schnell eindämmen konnten. Dass bei einem Einsatz in einem derart schwierigen Gelände nur eine Einsatzkraft leicht verletzt wurde, zeigt die hohe Professionalität aller Beteiligten.“

Auch Kreisbrandrat und Örtlicher Einsatzleiter Christof Grundner zieht eine positive Bilanz. „Die eingesetzte Strategie ist vollständig aufgegangen. Unsere Führungsstruktur hat sich erneut bewährt. Ohne die Luftunterstützung wäre ein solcher Einsatz in diesem Gelände praktisch nicht zu bewältigen gewesen.“ Gleichzeitig betont er, dass neben dem Einsatz in Oberwössen auch der Bergwaldbrand zwischen Staudach-Egerndach und Marquartstein nahe der Schnappenkirche fachlich aus der Örtlichen Einsatzleitung heraus begleitet wurde.

Ausbildung und Ausrüstung muss weiter angepasst werden

Gleichzeitig sieht Christof Grundner wichtige Aufgaben für die Zukunft. „Der Einsatz hat deutlich gezeigt, dass wir unsere Feuerwehren noch gezielter auf Einsätze im alpinen Gelände vorbereiten müssen. Das betrifft sowohl die Ausbildung als auch die Ausrüstung. Standardschutzkleidung und Feuerwehrstiefel stoßen beispielsweise in solchem Gelände an ihre Grenzen. Ebenso benötigen wir künftig zusätzliche Sicherungs- und Seiltechnik sowie weiteres Spezialgerät.“

Mit der Feststellung des Katastrophenfalls übernahm das Landratsamt Traunstein die zentrale Koordination aller Maßnahmen. In der Führungsgruppe Katastrophenschutz wurden die Anforderungen der Örtlichen Einsatzleitung gebündelt, zusätzliche Einsatzkräfte und Einsatzmittel organisiert, Hubschraubereinsätze koordiniert sowie die Zusammenarbeit aller Behörden sichergestellt. Gleichzeitig wurden Bevölkerung und Medien fortlaufend informiert und Warnmeldungen aufgrund der Rauchentwicklung veröffentlicht.

Landrat Andreas Danzer würdigt Haupt- und Ehrenamt

Landrat Andreas Danzer betont: „Die Feststellung des Katastrophenfalls war die richtige und notwendige Entscheidung. Sie hat es ermöglicht, alle verfügbaren Kräfte ohne Zeitverlust zusammenzuführen und insbesondere die umfangreiche Luftunterstützung optimal einzusetzen. Mein herzlicher Dank gilt allen Einsatzkräften, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Behörden sowie den vielen Helferinnen und Helfern, die diese außergewöhnliche Leistung möglich gemacht haben.“

Bürgermeister Johannes Weber würdigt das außergewöhnliche Engagement aller Beteiligten: „Die Hilfsbereitschaft war überwältigend. Besonders stolz bin ich auf unsere beiden örtlichen Feuerwehren Oberwössen und Unterwössen sowie die örtliche Bergwachtbereitschaft Marquartstein ebenso wie auf die vielen Helferinnen und Helfer die bei der Verpflegung unterstützt haben. Mein großer Dank gilt in gleicher Weise allen Einsatzkräften für ihre unermüdliche Arbeit, den Einsatzkräften der Feuerwehren, der Bergwachten, des Bayerischen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks und der Polizei. Ebenso der Gemeindeverwaltung, dem gemeindlichen Bauhof, dem Landratsamt Traunstein und allen Unterstützern von außerhalb. Allen die uns bei der Bewältigung dieser herausfordernden Situation so großartig unterstützt haben! Der gesamte Einsatz war eine herausragende Gemeinschaftsleistung aller Beteiligten, dabei hervorragend strukturiert, hochprofessionell und von Beginn an entschlossen im Handeln!“

Mindestens ebenso beeindruckend wie der technische und taktische Aufwand war jedoch die Unterstützung aus der Bevölkerung. Mehr als 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer organisierten unter der Leitung von Christina Aberger über Tage hinweg die Versorgung der Einsatzkräfte. Sichtlich erfreut waren die Einsatzkräfte auch darüber, dass es dann auch mal eine Pizza und sogar Eiskaffee als süßen Abschluss gab. Zahlreiche Vereine, Unternehmen, Bäckereien, Getränkehändler und Privatpersonen stellten Lebensmittel, Getränke und Sachspenden zur Verfügung. Immer wieder erreichten die Einsatzkräfte selbst gemalte Bilder und kleine Dankesbotschaften von Kindern – Gesten, die in den oft kräftezehrenden Tagen für bewegende Momente sorgten.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit stellte eine besondere Herausforderung dar. Während der neun Einsatztage gingen mehrere hundert Presseanfragen aus dem In- und Ausland ein. Zahlreiche Fernseh- und Hörfunkteams berichteten direkt aus Oberwössen. Über ein eigens eingerichtetes Pressezentrum, Pressefahrten, eine Pressekonferenz sowie bis zu drei Lageberichte täglich informierten der Kreisfeuerwehrverband Traunstein, das Landratsamt Traunstein und die Gemeinde Unterwössen, unterstützt von Stefanie Wiesmann von der Chiemgau GmbH, Medien und Bevölkerung kontinuierlich über die aktuelle Lage.

Mit dem offiziellen Einsatzende beginnt nun die umfassende Nachbereitung. Die gewonnenen Erfahrungen werden in die Ausbildung, die Ausrüstung und die Einsatzplanung der Feuerwehren einfließen. Der Waldbrand an der Lackenbergwand hat gezeigt, dass außergewöhnliche Herausforderungen nur motivierte und gut ausgebildete Einsatzkräfte, moderne Technik, eine funktionierende Führungsstruktur und das vertrauensvolle Zusammenspiel aller Organisationen bewältigt werden können.

Er hat aber auch gezeigt, wie viel Herz, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt in einer Region stecken, wenn Menschen in einer außergewöhnlichen Situation füreinander einstehen. Dieses Miteinander war neben dem schnellen und erfolgreichen Löscherfolg vielleicht die wertvollste Erkenntnis dieser neun außergewöhnlichen Tage in der Gemeinde Unterwössen. 

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Pressemitteilung: KFV Traunstein

Bilder:  Feuerwehr Oberwössen, Kreisfeuerwehrverband Traunstein, Bergwacht Bayern, Privat