Einsatz im Müritz-Nationalpark
Überregionale Hilfeleistung beim Waldbrand im Müritz-Nationalpark | Aus: Florian kommen Nr. 149 (September 2026)
Eckdaten:
- 15.07.2026: Bundesweites Hilfeersuchen aus Mecklenburg-Vorpommern
- 16.07.2026: Bayeriches Fähigkeitsmodul in Marsch gesetzt
- 19.07.2026: 1:1 Kräfteaustausch durchgeführt
- 21.07.2026: Einsatzende für das Bayerische Fähigkeitsmodul
Am Mittwoch, den 15. Juli 2026, erreichte die Regierungsbezirke in Bayern ein bundesweites Hilfeersuchen aus Mecklenburg-Vorpommern. Hintergrund war ein seit Montag (13. Juli) andauernder Waldbrand im Müritz-Nationalpark, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf rund 200 Hektar ausgedehnt hatte. Die Löscharbeiten wurden durch die erhebliche Munitionsbelastung des Geländes zusätzlich erschwert. Angefragt wurde die Unterstützung mit Kreisregnern und Schlauchmaterial zur großflächigen Beregnung.
Nach einer oberfrankenweiten Abfrage durch die Regierung konnten 72 Kreisregner für den Einsatz bereitgestellt werden. Parallel dazu erfolgte die Abfrage in Mittelfranken, bei der rund 130 Kreisregner aus bereits vorgehaltenen Modulen zur Verfügung gestellt werden konnten.
Nach Eingang der offiziellen Anforderung über das Bayerische Melde- und Lagezentrum (BYMLZ) am Abend des 15. Juli wurde der Marschbefehl erteilt. Noch am selben Abend wurden die oberfränkischen Einsatzmittel an der Feuerwehrwache der Stadt Bayreuth zusammengeführt. 22 Kreisregner stellte die Feuerwehr der Stadt Bamberg, 12 der Landkreis Lichtenfels und 8 der Landkreis Kronach zur Verfügung. Am frühen Morgen des 16. Juli trafen weitere 30 Kreisregner aus dem Landkreis Bayreuth ein.
Das erforderliche Schlauchmaterial wurde überwiegend mit den sechs mitgeführten SW 2000 des Katastrophenschutzes von Bund und Freistaat Bayern transportiert. Die Einsatzkräfte und Einsatzmittel aus Mittel- und Oberfranken bildeten gemeinsam das Bayerische Fähigkeitsmodul. Die Führungseinheit wurde durch Mittelfranken gestellt und durch Kreisbrandrat Matthias Rocca geführt, unterstützt von Kreisbrandmeister Stephan Macht aus Oberfranken.
In den frühen Morgenstunden des 16. Juli trafen die Einsatzkräfte aus Mittelfranken am Sammelpunkt in Bayreuth ein. Nach Abschluss der organisatorischen Vorbereitungen und einer abschließenden Einweisung setzte sich das Bayerische Fähigkeitsmodul um 6:00 Uhr in Richtung Mecklenburg-Vorpommern in Marsch. Insgesamt umfasste es 35 Einsatzkräfte mit 15 Fahrzeugen und rund 200 Kreisregner.
Für die Verpflegung während der langen Anreise sorgte die Logistik- und Verpflegungs-komponente des BRK Hollfeld. Bereits in den frühen Morgenstunden wurden Lunchpakete bereitgestellt. Die Vorbereitung und der Transport zum Sammelpunkt in Bayreuth nahmen für die Einsatzkräfte aus Hollfeld die gesamte Nacht in Anspruch.
Einsatz im Müritz-Nationalpark
Nach der Ankunft im Schadensgebiet am Donnerstag, den 16. Juli, wurden zunächst erste Einsatzaufträge vor Ort übernommen und abgearbeitet. Ab Freitag, den 17. Juli, übernahm das Bayerische Fähigkeitsmodul einen von insgesamt drei Einsatzabschnitten zur Brandbekämpfung im Müritz-Nationalpark. Der Einsatzschwerpunkt lag entlang der Bahnlinie bei Kratzeburg, die zugleich als ICE-Strecke genutzt wird.
Zu den wesentlichen Aufgaben der bayerischen Einsatzkräfte gehörten die Planung, der Aufbau und die Inbetriebnahme umfangreicher Förderstrecken. Über diese wurden die im Abstand von etwa 20 Metern installierten Kreisregner mit ausreichend Löschwasser versorgt. Für die Errichtung der Förderstrecken mussten teilweise zunächst Schneisen in der Vegetation geschaffen werden, um Schlauchleitungen und Tragkraftspritzen verlegen und sicher betreiben zu können.
Die Einsatzkräfte waren rund 60 Kilometer vom Schadensgebiet entfernt an der Landesfeuerwehrschule untergebracht.
Eine besondere Bedeutung kam den sechs mitgeführten Schlauchwagen SW 2000 des Katastrophenschutzes (SW-KatS) zu. Mit deren Hilfe konnte das für den Betrieb der Kreisregner erforderliche Schlauchmaterial größtenteils bereitgestellt und über lange Wegstrecken verlegt werden.
Die allradgetriebenen Schlauchwagen sind für die Wasserversorgung über große Entfernungen ausgelegt und führten jeweils 2.000 Meter B-Druckschlauch mit. Die Schlauchleitungen sind in Kassetten mit jeweils zehn Schlauchlängen zusammengekuppelt. Dadurch können während langsamer Fahrt entweder zwei Schlauchleitungen mit jeweils 1.000 Metern Länge oder eine durchgehende Leitung mit 2.000 Metern Länge verlegt werden.
Darüber hinaus verfügt jeder SW-KatS über eine Tragkraftspritze. Diese kann sowohl an der Wasserentnahmestelle mit einer Förderleistung von bis zu 1.500 Litern pro Minute als auch innerhalb der Schlauchleitung als Verstärkerpumpe eingesetzt werden. Damit können auch größere Entfernungen und Höhenunterschiede bei der Wasserförderung zuverlässig überwunden werden.
Ablösung durch einen 1:1 Kräfteaustausch
Noch während des laufenden Einsatzes ging die Anfrage ein, ob das Bayerische Fähigkeitsmodul über den zunächst vorgesehenen Einsatzzeitraum bis Sonntag, den 19. Juli, hinaus im Schadensgebiet verbleiben könnte. Nach Eingang der offiziellen Anforderung über das BYMLZ und des erneuten Marschbefehls wurde kurzfristig ein 1:1 Kräfteaustausch organisiert.
Hierzu machte sich die Staatliche Feuerwehrschule Regensburg am späten Samstagabend, den 18. Juli, auf den Weg nach Mittelfranken. In Lauf wurden kurz vor Mitternacht die dortigen Einsatzkräfte aufgenommen. Anschließend führte die Fahrt weiter nach Oberfranken zur Stadt Bayreuth. Von dort aus setzte der Bus der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg seine Fahrt um 1:00 Uhr in der Nacht zum Sonntag in Richtung Mecklenburg-Vorpommern fort. Gegen 8:00 Uhr trafen die Ablösekräfte im Einsatzgebiet ein.
Im Rahmen einer rund zweistündigen Übergabe wurde die Führung des Einsatzabschnitts „Bahn“ an die neu eingetroffenen Kräfte übergeben. Kreisbrandrat Matthias Rocca aus Mittelfranken übergab die Einsatzabschnittsleitung an Kreisbrandinspektor Thorsten Brunner aus dem Landkreis Nürnberger Land. Unterstützt wurde er von Kreisbrandmeister Volker Hammon aus Oberfranken.
Durch den 1:1 Kräfteaustausch blieb das Bayerische Fähigkeitsmodul weiterhin mit Kräften der Feuerwehren Adelsdorf, Ansbach, Baiersdorf, Bayreuth, Cadolzburg, Ezelsdorf, Heroldsberg, Hersbruck, Höchstadt an der Aisch, Seybothenreuth, Troschenreuth und Steinachtal im Einsatz.
Im Einsatzabschnitt „Bahn“ wirkten neben dem Bayerischen Fähigkeitsmodul weitere Einheiten mit. Dazu gehörten zwei Hytrans-Systeme aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Kräfte des Technischen Hilfswerks sowie das EU-Waldbrandmodul GFFF-V aus Niedersachsen. Die bayerische Einsatzabschnittsleitung führte dabei sämtliche in diesem Abschnitt eingesetzten Einheiten.
Lageentwicklung und Rückbau
Am 20. Juli 2026 hatte sich die Lage im Müritz-Nationalpark deutlich entspannt. Der Waldbrand hatte sich auf eine Fläche von rund 400 Hektar erstreckt, war zu diesem Zeitpunkt jedoch unter Kontrolle. Das Feuer war noch nicht vollständig gelöscht. Insbesondere im Boden befanden sich weiterhin Glutnester mit Temperaturen von bis zu 160 °C. Die am 20. Juli einsetzenden Niederschläge unterstützten die Löscharbeiten und trugen zur weiteren Stabilisierung der Lage bei.
Das Bayerische Fähigkeitsmodul konzentrierte sich abschließend auf die Optimierung der verbliebenen Wasserförderstrecken und der daran angeschlossenen Kreisregner. Gleichzeitig wurden nicht mehr benötigte Schlauchleitungen zurückgebaut und das eingesetzte Material für den Rücktransport grob gereinigt. Die noch erforderlichen Beregnungsstrecken wurden so vorbereitet, dass sie zuverlässig weiterbetrieben werden konnten. Danach konnten die Einsatzkräfte am 21. Juli 2026 die rund 500 Kilometer lange Heimreise antreten.
Der Einsatz im Müritz-Nationalpark verdeutlichte eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit der länderübergreifenden Zusammenarbeit innerhalb der Gefahrenabwehr und die Bedeutung abgestimmter Fähigkeiten für die Bewältigung großflächiger und lang andauernder Lagen.
Einen besonderen Mehrwert stellte dabei die Mitwirkung von Kreisbrandrat Matthias Rocca dar. Als erfahrene Führungskraft mit umfassender Waldbranderfahrung konnte er seine beim Waldbrandeinsatz im Tennenloher Forst gewonnenen Erfahrungen unmittelbar in die Führung und Bewältigung des Einsatzes einbringen.
Untergebracht waren die Einsatzkräfte in der rund 60 Kilometer entfernten Landesfeuerwehrschule.
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Text und Fotos: Kreisbrandmeisterin für Öffentlichkeitsarbeit und Einsatzdokumentation, Stephanie Bleuse, Kreisbrandinspektion Bayreuth
Aus: Florian kommen Nr. 149 (September 2026)