801 Menschen aus der Region kamen zur Typisierung
Feuerwehren im Einsatz gegen Leukämie – Familie und KFV überwältigt
Die Themen Leukämie und Knochenmarkspende sind derzeit in der Region in aller Munde – und das sogar im wörtlichen Sinne. Mit zahlreichen Aktionen werden die Menschen dazu aufgerufen, sich typisieren zu lassen. Vor wenigen Tagen hatte auch der Kreisfeuerwehrverband Traunstein seine Mitgliedsfeuerwehren gebeten, für einen Nachmittag ihre Gerätehäuser zu öffnen und um eine Speichelprobe zu werben. 22 Feuerwehren folgten diesem Aufruf – und konnten insgesamt 801 Menschen typisieren.
Anlass dieser außergewöhnlichen Aktion ist die Leukämie-Erkrankung der 18-jährigen Tanja aus Waging am See. Die junge Frau war nicht nur Mitglied der Jugendfeuerwehr, sondern engagiert sich auch als aktive Helferin bei der Wasserwacht. „Als wir durch die Familie von der Idee einer landkreisweiten Typisierungsaktion erfahren haben, mussten wir nicht lange überlegen“, betont Kreisbrandrat Christof Grundner. Innerhalb weniger Tage wurden alle 80 Feuerwehren informiert, Werbeflyer gestaltet und die gesamte Aktion organisiert.
„Wir sind von dem Ergebnis überwältigt und gleichzeitig jedem einzelnen Spender unendlich dankbar“, freut sich Michaela Böhr, die den Stein für diese Aktion ins Rollen gebracht hat. 801 Menschen aus dem Landkreis Traunstein sowie aus den Nachbarlandkreisen suchten eines der Feuerwehrhäuser auf und schritten zur Tat. Drei kleine Stäbchen, die jeweils eine Minute im Mund verbleiben, reichen aus, um in die Spenderdatei aufgenommen zu werden. Nach rund zehn Minuten waren sowohl die administrativen Schritte als auch die Typisierung selbst erledigt.
Mancherorts wurden die Öffnungszeiten verlängert
22 Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Traunstein beteiligten sich und setzten damit ein starkes Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung. Mancherorts war der Andrang so groß, dass die ursprünglich geplanten zwei Stunden kurzerhand verlängert wurden, um allen Spendenwilligen die Teilnahme zu ermöglichen. Viele Feuerwehren boten zudem Kaffee, Kuchen oder Getränke an und schufen so Raum für Begegnung und Gespräche im Feuerwehrhaus.
In Tacherting folgten 73 Menschen der Einladung, in Kirchheim waren es 69 und in Pittenhart 68. Auch in Marquartstein beteiligten sich 68 Bürgerinnen und Bürger, im Feuerwehrhaus Waldhausen kamen 55 Menschen zusammen. Zufriedene Gesichter gab es ebenso in Ising mit 49 Typisierungen, in Grabenstätt mit 47 und in Petting mit 43.
In Surberg ließen sich 38 Menschen typisieren, in Traunwalchen 34 und in Pietling 33. Jeweils 31 Personen folgten dem Aufruf in Holzhausen und Traunreut, in Tengling waren es 29. Auch in Törring öffneten sich die Türen – dort wurden 25 Typisierungen durchgeführt, in Lampoding 23 und in Matzing 22.
„In und um Waging wurden in den letzten Wochen bereits sehr viele Aktionen durchgeführt“, informiert Michaela Böhr und betont: „Dennoch kann jede einzelne Typisierung Menschenleben auf der ganzen Welt retten.“ Die Ergebnisse werden in einer zentralen Datei gespeichert und weltweit abgeglichen, sobald ein an Leukämie erkrankter Mensch auf eine Knochenmarkspende angewiesen ist.
Besonders freut es die Organisatoren, dass auch in Taching und Tettenhausen (15), Kirchanschöring (14), Otting (12) und Gaden (8) Typisierungsmöglichkeiten angeboten wurden. In allen Orten beteiligten sich sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Mitglieder der jeweiligen Feuerwehren. „Es freut mich sehr, dass sich auch viele Mitglieder der Kreisbrandinspektion im Zuge unserer Aktion typisieren ließen“, so Kreisbrandrat Christof Grundner.
Sein besonderer Dank gilt nicht nur allen beteiligten Feuerwehren, sondern auch den Hauptorganisatoren und Ideengebern Michaela Böhr und Andreas Ostermann. „Sie haben unzählige Stunden investiert, um die Proben zu den Feuerwehren zu bringen, sie wieder einzusammeln und schließlich an die DKMS zur weiteren Bearbeitung und Registrierung weiterzuleiten“, so der Kreisbrandrat.
Für die Öffentlichkeitsarbeit ließ der Kreisfeuerwehrverband Traunstein über die Werbeagentur Knogl Design in Grassau eigens Online-Flyer erstellen, die von den Feuerwehren an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden konnten. „Die Inhaberin Kathrin Knogl hat sich spontan dazu entschieden, die Flyer kostenlos zur Verfügung zu stellen“, berichtet Christof Grundner. „Für derartige Unterstützung sind wir sehr dankbar, denn sie kommt eins zu eins den Menschen und Feuerwehren in unserer Region zugute.“
DKMS begeistert von dieser bisher einzigartigen Aktion
Am Ende ziehen die Organisatoren und der Kreisfeuerwehrverband ein durchweg positives Fazit. „Eine solche Aktion haben wir bisher noch nie durchgeführt. Umso begeisterter sind wir, dass wir in so kurzer Zeit so viele Menschen erreichen und bewegen konnten“, so der Kreisbrandrat. Sein Dank gilt auch den heimischen Medien, die dieses wichtige Anliegen seit Wochen publik machen und damit einen entscheidenden Beitrag leisten.
In den einzelnen Feuerwehrhäusern waren auch Spendentöpfe aufgestellt. Dabei sind rund 1.800 Euro zusammengekommen, die der Kreisfeuerwehrverband Traunstein in den kommenden Tagen an die DKMS überweisen wird. Das Geld dient in erster Linie dazu, um die Kosten für das Labor und das Typisierungsmaterial zu decken. Besonders erfreut zeigt sich Michaela Böhr darüber, „dass sich mittlerweile die DKMS bei mir gemeldet hat, weil es eine vergleichbare Aktion bisher noch nicht gegeben hat und sie wissen wollen, wie dies bei uns abgelaufen ist“.
Letztlich bleibt die Hoffnung, dass für Tanja ein passender Spender gefunden wird. Das würde ihre Chancen im Kampf gegen den Blutkrebs deutlich verbessern. „Wenn aber irgendwo auf der Welt einem Menschen durch eine der 801 Typisierungen geholfen werden kann, weil diese Person als Spender infrage kommt, dann ist das jede Anstrengung und Mühe wert“, so das abschließende Fazit von Andreas Ostermann.
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Bericht: Hubert Hobmaier, Kreisfeuerwehrverband Traunstein
Bilder: Beteiligte Feuerwehren