28. Januar 2023 09:30 Uhr - 16:00 Uhr

Digitaler Fachtag: Gewalt gegen Einsatzkräfte

online

Handlungsstrategien und Präventionsansätze

Bedrohungen, Beschimpfungen und Gewalt sind auch im Arbeitsbereich der Hilfsorganisationen keine Seltenheit. Durch die vielschichtigen Aufgaben und Einsatzgebiete der Feuerwehren kann es zu schwierigen Einsatzsituationen kommen, in denen die Kameradinnen und Kameraden mit Gewalt und Übergriffen verbaler und körperlicher Art konfrontiert sind.

Aus diesem Grund wollen die Vertreter der Landesfeuerwehrverbände Thüringen, Bayern, Hessen und Brandenburg mit EUCH gemeinsam auf dem digitalen Fachtag über die breiten Angebote der Gewaltprävention sprechen und mögliche Techniken und Handlungsstrategien zur Deeskalation vorstellen. Außerdem möchten wir von euch wissen, welche konkreten Bedarfe ihr habt und wie wir euch als Verbände unterstützen können.

Ziel des Fachtages ist es, euch einen Einblick in das Themenfeld sowie Möglichkeiten zur Weiterbildung zu geben. Die Themen reichen hier von rechtlichen Grundlagen über den Umgang mit unterschiedlichen Gruppen gewaltbereiter Personen bis hin zu einsatztauglichen Deeskalationsstrategien und Techniken im Umgang mit belastenden Einsätzen. Darüber hinaus soll ein Erfahrungsaustausch der Kameradinnen und Kameraden aus den verschiedenen Bundesländern ermöglicht werden.

Wir wenden uns an die Mitglieder der Feuerwehren in den Einsatzabteilungen, in den Jugendfeuerwehren, in der Alters- und Ehrenabteilung und in den Feuerwehrvereinen.

 

Infos und Anmeldung

Digitaler Fachtag: Gewalt gegen Einsatzkräfte - Handlungsstrategien und Präventionsansätze 

https://eveeno.com/gewaltgegeneinsatzkraefte

 

Programm Fachtag am 28. Januar 2023:

09.30 Uhr       Check-In

10.00 Uhr       Begrüßung / Moderation Thomas Kuhn

10.15 Uhr       Impulsvortrag -  Dr. Janina Dressler

11.15 Uhr       Pause sowie anschließende Zuordnung zu den Workshops

11.30 Uhr       Workshop-Phase 1

13.00 Uhr       Mittag

13.45 Uhr       Workshop-Phase 2

15.15 Uhr       Pause

15.30 Uhr       Ergebnisse und Erkenntnisse Workshops /Blitzlicht

15.45 Uhr       Abschluss und Feedback

16.00 Uhr       Offizielles Ende

 

Beschreibungen Workshops

Workshop 1

„Notwehr und Nothilfe im Einsatz“

Eine Kenntnis der Rechtsgrundlage ist unabdingbare Basis für ein sicheres Auftreten und beherztes Eingreifen im Notfall. Die Erfahrungen zeigen, dass die meisten Kameradinnen und Kameraden nicht wissen, ab wann sie sich wehren dürfen. Müssen sie den ersten Schlag abwarten? Und in welcher Form darf die Gegenwehr stattfinden?
Oft befürchten Einsatzkräfte ggf. selbst bestraft zu werden, wenn nach einer Gegenwehr Aussage gegen Aussage steht. Nur wer sich darüber im Klaren ist, was er darf, wird im Ernstfall auch einschreiten und handeln.

  • Das nehmen Sie mit:
  • Rechtliche Grundlagen zu Notwehr und Nothilfe
  • Was ist eine Notwehrhandlung? Wann liegt eine Notwehrlage vor?
  • Was besagt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit?
  • Anwenden der Rechtsgrundsätze auf Beispiele

Referent: Ludolf von Klencke (Rechtsanwalt und Feuerwehrmann)

 

Workshop 2

„Mental fit im Einsatz“

Einsatzkräfte der Feuerehren werden durch veränderte Umstände und den gesellschaftlichen Wandel stärker belastet. Auf dem einsatztaktischen Sektor wird alles versucht, um die veränderten Lagen mit all ihren Auswirkungen in den Griff zu bekommen. Was aber ist mit der mentalen Kraft von Feuerwehrleuten. Erschöpfungszustände und Motivationslöcher sind keine Seltenheit mehr. Diesem Umstand muss mit entsprechenden präventiven Maßnahmen entgegengewirkt werden, um die Gesundheit und die Lust am Feuerwehrdienst der freiwilligen Helfer zu erhalten.

  • Das nehmen Sie mit:
  • 1x1 „mentaler Fitness“
  • Erkennen von Überlastungen und Stressoren
  • Möglichkeiten zur Abgrenzung und Prävention

Referent: Hermann Zengeler (Geschäftsführer Brand Punkt, Feuerwehrmann)

 

Workshop 3

„Das A-B-C der Eigensicherung“

Die zunehmende Gewalt in unserer Gesellschaft macht auch vor dem Arbeitsplatz nicht halt. Immer häufiger werden Fach- und Führungskräfte von Feuerwehr mit Situationen konfrontiert, die eine psychische Belastung und physische Gefahr am Arbeitsplatz darstellen.

Neben der eigenen Veranlagung und krankheitsbedingten Faktoren beeinflussen Medienkonsum, Subgesellschaften und Trends in der Alltagskultur usw. das Verhalten der Klienten zunehmend negativ. Aufgrund unzureichend ausgeprägter Handlungsfähigkeiten kann den steigenden qualitativen und quantitativen Anforderungen, welche aktuelle Konfliktsituationen mit sich bringen, nicht adäquat entgegnet werden. Aus diesem Grund benötigen Fach und Führungskräfte der Feuerwehren eine besondere Handlungskompetenz, um das erhöhte Risiko von Personen- und Sachschäden mit schwer kalkulierbaren mittel- und langfristigen Auswirkungen für sich selbst und ihre Kollegen bereits im Vorfeld zu minimieren.

Die persönlichen Stärken und Erfahrungen der Teilnehmer werden in dieser Schulung daher durch taktisch-korrekte und bewährte Verhaltensregeln ergänzt, um Ihnen die notwendige Stress- und Handlungskompetenz für den Umgang mit kritischen Situationen, Bedrohungen und potentiell physischer Gewalt während des direkten Patientenkontakts zu vermitteln.

Das nehmen Sie mit:

  • Handlungskompetenz, die in Abhängigkeit von den jeweiligen Rahmenbedingungen zur direkten und konstruktiven Bewältigung einer Stress- und potentiell gewalttätigen Konfliktsituation eingesetzt werden kann.
  • Vermittlung der notwendigen technisch-taktischen Fertigkeiten für den Umgang mit kritischen Situationen.
  • Methoden zur Gewaltprävention und Eigensicherung
  • Verbesserung der Situationseinschätzung für Fach- und Führungskräfte
  • Erhöhung der Sicherheit im Alltag

Referent: Dr. Ken Österreich (Deeskalationstrainer)

 

Workshop 4

“Umgang mit schwierigen Personengruppen”

Steigende Aggressivität, Beleidigungen, Handgreiflichkeiten durch Bürgerinnen und Bürger gehören mittlerweile zum Alltag für Einsatzkräfte im Rettungsdienst oder Bedienstete der Kommunalverwaltungen im Außendienst oder mit Kundenkontakt. 

Im Auftrag des Landespräventionsrats Sachsen werden seit Anfang 2022 deshalb Deeskalationstrainings angeboten. Ausgehend von der Fragestellung "Was ist Eigensicherung und wie kann ich, vor allen Dingen im Vorfeld, dazu beitragen, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen?" finden Deeskalationstrainings statt.

Das nehmen Sie mit:

  • wirkungsvolle Kommunikationsstrategien als Mittel der Deeskalation
  • Erkenntnisse aus unterschiedlichsten Gefahrenlagen  
  • Grundlagen des Umgangs mit Gewalt und der Eigensicherung vorgestellt.

Referent: Martin Ziegenhagen ( Geschäftsführer Goldjungs.Berlin / Agentur für Changemanagement UG)

 

Workshop 5

„Reichsbürger & Selbstverwalter ein besonderes Risiko für Einsatzkräfte?“

Als ein Reichsbürger 2016 einen Polizisten erschoss und drei weitere verletzte, war die Bewegung in der Öffentlichkeit maximal eine Randerscheinung. Seitdem machte sie immer wieder Schlagzeilen, meist im Zusammenhang mit illegalen Waffen und zuletzt durch ihre Beteiligung an Querdenken-Demonstrationen.

Doch auch kommunale Mandatsträger*innen, Verwaltungsmitarbeiter*innen aber auch die Feuerwehr/Rettungsdienst treffen immer häufiger auf sogenannte Reichsbürger. Was steckt hinter dieser Ideologie? Inwieweit sind sie eine Gefahr für unsere Demokratie? Diese Fragen werden im Seminar beantwortet und vor allem Strategien des Umgangs vorgestellt.

Das nehmen Sie mit:

  • Handlungsstrategien im Umgang
  • Grundkenntnisse über die Reichsbürgerbewegung
  • Erfahrungsaustausch

Refrerent: Martin Schubert (Berater bei demos)

 

Workshop 6

„Hetze im Netz: Umgang mit digitaler Gewalt“ – Herausforderungen und Strategien

Ob soziale Netzwerke oder Chatgruppen: Anderen Menschen im digitalen Raum zu begegnen, kann unser Leben sehr bereichern. Dabei gibt es jedoch auch Herausforderungen. Bestehende Gewaltdynamiken in der Gesellschaft setzen sich online fort, verletzende Kommentare oder Bilder zu sehen, ist für einige alltäglich. Welche Strategien gibt es, um mit verschiedenen Formen von digitaler Gewalt, insbesondere Hasskommentaren, umzugehen?

Das nehmen Sie mit:

  • Konflikten in sozialen Medien und konstruktiv begegnen
  • Strategien im Umgang mit Hasskommentaren

Referentin: Cordelia Moore (Beraterin und Trainerin für Digitale Gewalt)

 

Workshop 7

„Angriffe auf die Blaulicht-Familie - steigt die Gewalt oder steigt die Sensibilität?“

Angriffe auf Angehörige von „BOS“-Organisation erschrecken die Öffentlichkeit regelmäßig. Wurde zunächst vor allem über Gewalt gegen Polizeibeamtinnen- und Beamte berichtet, so rücken neuerdings auch die anderen Mitglieder der „Blaulicht-Familie“ in den öffentlichen Blick, und dort noch einmal Feuerwehr und Rettungsdienste ganz besonders.

Im Workshop wollen wir etwa folgenden Fragen nachgehen: 

  • Wie hat sich das Thema „Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte“ entwickelt (Vom § 113 bis 115, Abs. 3 StGB)
  • Warum werden Angriffe auf Rettungskräfte besonders sensibel wahrgenommen?
  • Was sagen empirische Befunde zum Gewaltanstieg aus?
  • Welche Coping-Strategien gibt es?
  • Wie lässt sich das Phänomen eindämmen oder wie kann man ihm politisch begegnen? 

 Das nehmen Sie mit:

  • Entwicklung eines nüchternen Blick auf die Phänomene und das Ausmaß von „Gewalt gegen Rettungskräfte“
  • Gemeinsame Suche nach Bewältigungsmöglichkeiten

Referent: Rafael Behr (Professor für Polizeiwissenschaften an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg. Seit mehr als 30 Jahren forscht er unter anderem zur Gewalt von und an der Polizei)

 

Workshop 8

„Alternative Fakten - Gefährliche Bündnisse - Feindselige Zustände“

Aktuelle Trends im Rechtsextremismus und Betroffenheit der Feuerwehr in Krisenzeiten

Die Verbreitung von Verschwörungserzählungen, Hasskommentare vor allem in sozialen Medien sowie schleichender Alltagsrassismus sind nicht erst durch die Corona-Pandemie zu ständig präsenten Themen geworden. Rechtsextremisten und andere verfassungsfeindliche Kräfte haben die Zeichen der Zeit erkannt und mischen tatkräftig beim Schüren von Ängsten und Vorurteilen in jeder Krise mit. Auch die zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte einschließlich einer hohen Dunkelziffer kann zu einer Verhärtung oder Radikalisierung von Einstellungen und entsprechenden Reaktionen führen. Zudem gibt es fortgesetzte Versuche zur Unterwanderung von Hilfsorganisationen durch Gegner unseres demokratischen Systems. Oft ist auch nur unbedarftes Agieren im Netz der Auslöser für den Verdacht rechtsextremistischer Umtriebe in Feuerwehreinheiten. Hier ist fortgesetzte Sensibilisierung für die lauernden Gefahren und deren frühzeitigem Erkennen gefordert.

Das nehmen Sie mit:

  • Anhand von aktuellen Beispielen vor allem mit Bezug zur Heimatregion Thüringen sollen die derzeitigen Erscheinungsformen rechtsextremistischer Agitation in ihrer Vielfältigkeit anschaulich dargestellt werden.
  • Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch im Hinblick auf eigenes Erleben bestehen.
  • Handlungsmöglichkeiten in konkreten Einzelfällen

Referent: Frank Hofmann (Landesfeuerwehrverband Rheinland Pfalz) 

 

Gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Rahmen des Bundesprogramms "Zusammenhalt durch Teilhabe".