Klausurtagung 2012

10. Klausurtagung der Bayerischen Kreis- und Stadtbrandräte, Leiter der Berufsfeuerwehren sowie Kreis- und Stadtverbandsvorsitzenden

Nach Meinung von 85 Prozent der Stadt- und Kreisbrandräte Bayerns soll in Zukunft die Möglichkeit geschaffen werden, ihre Funktion ehrenamtlich und hauptamtlich auszuüben. Dies war das Ergebnis einer Arbeitsgruppe, die sich auf der Klausurtagung des Landesfeuerwehrverbandes Bayern am 2. und 3. März 2012 in Unterschleißheim mit Zukunftsthemen befasste.

In die Klausur stimmte Landesverbandsvorsitzender Alfons Weinzierl mit Gedanken zum Ehrenamt ein.
„Lassen Sie uns den Motor „Landesfeuerwehrverband Bayern“ auf Touren bringen“, forderte Vorsitzender Alfons Weinzierl auf, künftig die Arbeit der Ehrenamtlichen noch besser nach Außen darzustellen, die Zukunft zu bauen und auch Visionen zu haben.

Es folgte ein Abriss und Ausblick zu aktuellen Verbandsthemen.

Im Rahmen der Imagekampagne touren mittlerweile 84 Busse durch Bayern. Über 550 Bauzaunbanner und über 450 Roll-Ups wurden an die Verbände und Feuerwehren ausgeliefert.
Nachdem nun an den Staatlichen Feuerwehrschulen 40 neue Stellen besetzt werden, forderte Vorsitzender Weinzierl, das Lehrgangsangebot der ausgesetzten Lehrgänge von derzeit 80 wieder auf 100 Prozent hochzuschrauben, weiter wünsche er sich eine bessere Einbindung des LFVs bei den Infrastrukturplanungen.

Deutliche Verbesserungen konnten bei den Förderrichtlinien erreicht werden.

Nach bereits in diesem Jahr durch die Kommunale Unfallversicherung Bayern (KUVB) angebotenen Fahrsicherheitstrainings, welche von 4.000 Maschinisten genutzt werden können, geht zusätzlich ab 2013 das Fahrsicherheitstraining im Fahrsimulator an den Start.

Im Bereich der Jugend wies Weinzierl auf die Sonderkonditionen (40% Preisnachlass) für das Legoland, den Fotowettbewerb und das für Mitgliedsfeuerwehren kostenlos angebotene EDV-Programm MP-Feuer, ein Verwaltungsprogramm für Jugendfeuerwehren, hin. Mit über 3.100 Rückmeldungen zur Umfrage der Jugendfeuerwehr Bayern konnten wichtige Erkenntnisse für den zweiten Teil der Imagekampagne mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit gewonnen werden.

Auf Stadt- und Kreisfeuerwehrverbandsebene können ab diesem Jahr Seminare zu Themen wie Grundwissen Kommunikation, Wissen richtig vermitteln, sicheres Auftreten und Rhetorik genutzt werden.

„Stifter-helfen.de“ lautet die Webadresse für ein Online-Spendenportal über das die Mitgliedsfeuerwehren des Landesfeuerwehrverbandes Bayern Soft- und Hardwarespenden namhafter IT-Stifter erhalten können. Voraussetzung: Gemeinnützigkeit und ein Freistellungsbescheid.

Nach vielen erreichten Zielen stellte Vorsitzender Alfons Weinzierl auch neue „Leitplanken“ der künftigen Verbandsarbeit vor.

Ab Herbst wird eine neue LFV-Homepage online gehen.

Weitere Blaulichtberechtigungen für Stadt- und Kreisbrandmeister sollen ermöglicht werden.

Zur Stärkung des Ehrenamtes in der Feuerwehr wird sich der LFV dafür einsetzen, dass die aktiven Feuerwehrdienstleistenden beispielsweise nach der Grundausbildung die Bayerische Ehrenamtskarte erhalten. Wer das Feuerwehrehrenzeichen für 25- oder 40-jährige aktive Dienstzeit erhalten hat, soll nach Vorstellungen des Landesfeuerwehrverbandes sogar die goldene Ehrenamtskarte erhalten. Auch ein Freiplatz im Bayerischen Feuerwehrerholungsheim, wenn einer 40 Jahre in der aktiven Wehr „seinen Kopf hingehalten“ hat, wäre nach Auffassung des LFV eine echte Anerkennung des Ehrenamtes. Mit einem Maßnahmenpapier möchte der Landesfeuerwehrverband die Ehrenamtsförderung bis 2020 definieren und ausbauen, um somit dem demografischen Wandel in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Die Stadt- und Kreisfeuerwehrverbände Bayerns aktiv mit in die Meinungsbildung einzubinden, ist ein wichtiges Anliegen des Landesfeuerwehrverbandes Bayern. Deshalb wurden im Rahmen der Klausurtagung auch wieder drei Workshops angeboten.

In der Arbeitsgruppe „Die Stellung des Kreis- und Stadtbrandrates in der Zukunft“ wurde diskutiert, ob dieses Amt bei immer größer werdenden Arbeitsbelastungen überhaupt noch ehrenamtlich geleistet werden kann. „Viele Kreisbrandräte erledigen ihren Job in einer „versteckten Hauptamtlichkeit“ und sind beispielsweise im Landratsamt angestellt“, erklärte der Arbeitsgruppenleiter Stv. Vorsitzender Franz-Josef Hench. Nach einer umfangreichen Stoffsammlung über die immensen Aufgaben eines Kreisbrandrates waren sich viele einig: „Wir brauchen neue Uhren, wenn wir das alles ordnungsgemäß machen wollen“. Im Hinblick auf die Klausurtagung im Jahr 2005 in Landshut gibt es ein Umdenken. Gab es damals noch massive Ablehnung gegen eine „Hauptamtlichkeit“, votierten nur noch 12,6 Prozent der Tagungsteilnehmer für eine reine ehrenamtliche Lösung. Der Großteil von 85 Prozent wünscht sich, dass es möglich ist ehrenamtlich und hauptamtlich die Funktion des Kreisbrandrats auszufüllen. Lediglich 2,5 Prozent sprachen sich für eine reine hauptamtliche Tätigkeit aus. Keine Bindung zu den Feuerwehren an der Basis hat ein hauptamtlicher Kreisbrandrat, der seiner Regelarbeitszeit im Landratsamt nachgeht, war die Meinung einiger Workshopteilnehmer. Es gibt auch Bedenken, dass die Räte in ihren Entscheidungen abhängiger von ihren Vorgesetzten sind. Viele Kreisbrandräte wünschen sich dagegen eine bessere Entlastung und Übernahme von Aufgaben durch ein starkes und funktionierendes Sachgebiet im Landratsamt für ihr immer zeitaufwändigeres Geschäft. Viele für und wider sowie Lösungsansätze wurden diskutiert. Auch Vertreter vom Staatsministerium des Innern, wie die neue Sachgebietsleiterin von ID1 Regierungsdirektorin Friederike Fuchs verfolgten die Diskussionen, um sich ein Meinungsbild zu machen.

Ist die Facharbeit im LFV Bayern noch zeitgemäß??? Mit dieser Frage beschäftigten sich Fachreferent Jürgen Weiß und Geschäftsführer Uwe Peetz mit zahlreichen LFV-Fachbereichsleitern in ihrem Workshop. In der Diskussion kam heraus, dass sich die Vertreter der Stadt- und Kreisfeuerwehrverbände weiterhin eine paritätische Besetzung der Fachbereiche durch alle Bezirksfeuerwehrverbände wünschen. Die Vertreter der Bezirke auf Landesebene müssen für die Vernetzung und Informationsweitergabe in die Stadt- und Kreisfeuerwehrverbände sorgen. Hierbei würde möglicherweise eine Aufgabenbeschreibung für die Facharbeit auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene für eine klarere Strukturierung beitragen. Die bessere Kennzeichnung von E-Mail-Verteilern soll helfen Mehrfachinformationen zu vermeiden. Diskutiert wurde auch, ob es sinnvoll ist, die Bestellung in einen Fachbereich auf sechs Jahre zu beschränken.

In einer weiteren Arbeitsgruppe wurden künftige Projekte mit der Versicherungskammer Bayern im Rahmen des Sponsorings von Vorsitzenden Alfons Weinzierl und Helmut Steck, vorgestellt und diskutiert. Breiten Konsens fand bei den Stadt- und Kreisbrandräten mit 55 Stimmen die Beschaffung von Infoständen für die Arbeit der Feuerwehren. Ab 2014 wären die Infostände eine gute Weiterführung für die immer wichtiger werdende Öffentlichkeitsarbeit im Nachgang der Imagekampagne des LFV. Der Infostand hätte auch den Vorteil, dass dieser von allen Feuerwehren, egal ob kleine oder große genutzt werden könnte. Auf dem zweiten Platz (17 Stimmen) landete das Unfalltraining für LKW-Unfälle. Für die Beschaffung von Tablets-PC´s für den Einsatz stimmten 14 Personen. Notebooks für die Öffentlichkeitsarbeiter und Kreisjugendwarte fanden bei neun und für die Beschaffung von Jugendschutzausrüstung bei vier Teilnehmern Zustimmung.

Vielversprechend scheint der zweite Teil der Imagekampagne mit dem Schwerpunkt Jugendwerbung zu werden. Einen Vorgeschmack präsentierte Robert Kainz, Leiter des LFV Fachbereiches Öffentlichkeitsarbeit. „Um zu sehen wie die Jugend tickt“ startete die Jugendfeuerwehr Bayern eine Umfrage. Mit gigantischem Erfolg: Über 3.100 Rückläufe gingen ein. Wertvolle Informationen wie Jugendliche beispielsweise zur Feuerwehr gekommen sind wurden gewonnen. 47,2 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie über Bekannte in die Jugendfeuerwehr gekommen sind. 35,5 Prozent wurden von Mitgliedern geworben. Eine unbedeutende Rolle spielt die Schule, denn nur 0,2 Prozent der Feuerwehranwärter wurden in der Schule beispielsweise durch Lehrer geworben. Auch Kinowerbung wird vermutlich keine Rolle bei der Jugendkampagne spielen, da nur wenige der Jugendlichen angaben, regelmäßig ins Kino zu gehen. Eine wesentliche höhere Bedeutung unter den Heranwachsenden hat die Medienbeschäftigung in der Freizeit: Internet und Handy spielen eine große Rolle. 97 Prozent der Befragten sind in sozialen Netzwerken wie Facebook aktiv. Mit Slogans wie „Ich bin dabei – Wo bleibst Du?“ oder „Willst Du mit mir gehen?“ wird im Sprachstil der Jugend von heute geworben. Mit QR-Code und Facebook-Präsenz werden die Jugendlichen direkt in ihrer Welt angesprochen. Weitere Ansätze für mögliche Slogans sind „Beweg Deinen Hintern“ oder „Du willst da raus?“.

Einen interessanten Vortrag über „Moderne technische Möglichkeiten beim THL-Einsatz“ bot Thomas Unger von der ADAC-Unfallforschung. An Hand verschiedener Beispiele wie Crash-Tests aus dem ADAC-Testzentrum Landsberg erläuterte er die veränderten Verletzungsmuster auf Grund einer verbesserten Fahrzeugtechnik. Problemstellen an der Fahrzeugkarosserie wurden erläutert. Durch eine verbesserte Fahrzeugtechnik kommt es zu weniger Einklemmungen und die Feuerwehren können weniger Einsatzerfahrungen sammeln. Ein wichtiges Hilfsmittel für die Feuerwehr wird hier die ADAC-Rettungskarte sein, die künftig auch von den Leitstellen direkt vom Kraftfahrtbundesamt abgerufen werden kann.

Wie auch in den vergangenen Jahren sorgte die Feuerwehr Unterschleißheim mit ihrem Kommandant Andreas Hegermann für ein ausgezeichnetes Tagungsumfeld. „Vielen Dank, dass Sie sich die zwei Tage Zeit genommen, sich eingebracht und mitgearbeitet haben.“, dankte Vorsitzender Alfons Weinzierl. „Für mich ist es sehr wichtig, dass ich die Interessen unserer Bayerischen Führungskräfte mit einbinden kann. Hierzu zählt auch der notwendige Informationsfluss zur Basis, die Werbung und Förderung aller Feuerwehren zum Verband und die positive Arbeit und Darstellung nach außen. Dabei bitte ich euch global zu denken und lokal zu handeln!“, sagte Weinzierl weiter.

Text und Tagungsbilder: Jochen Kümmel

Programm

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Folgende Themen wurden in den Workshops behandelt:

  • Die Stellung des KBR/SBR in Zukunft (Workshop A)
  • Facharbeit im LFV in Zukunft (Workshop B)
  • Zukünftige Projekte mit der VKB (Workshop C)

Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, in allen Workshops mitzuarbeiten.

Das waren die Klausurtagungen der letzten Jahre: