9. Klausurtagung

der Bayerischen Kreis- und Stadtbrandräte, Leiter der Berufsfeuerwehren sowie Kreis- und Stadtverbandsvorsitzenden am 25./ 26. Februar 2011 in Unterschleißheim

Mit Zukunftsprojekten beschäftigten sich die bayerischen Stadt- und Kreisbrandräte auf der 9. Klausurtagung des Landesfeuerwehrverbandes Bayern. Am 25. und 26. Februar 2011 stand die Feuerwache Unterschleißheim wieder einmal im Mittelpunkt der bayerischen Führungsdienstgrade. Hierbei brachten sich die 91 Vertreter der Städte und Landkreise bei zahlreichen Themen auf den aktuellen Stand, beschäftigten und diskutierten aber auch über Projekte, die in den nächsten Jahren angestoßen werden sollen.

Über den aktuellen Stand der geplanten dreijährigen Image-Kampagne des Landesfeuerwehrverbandes Bayern informierte Robert Kainz, von der gleichnamigen Werbeagentur. Mit einer landesweiten Imagekampagne soll ab September 2011 über drei Jahre für die Wertschätzung des besonderen Ehrenamtes „Feuerwehr“ geworben und die Mitgliedergewinnung angekurbelt werden. Beispielsweise mit Bus-Werbung, Kinospots, Großflächenplakaten, Infoflyern, Rollups und einer eigenen Internetplattform soll der Bevölkerung das Bewusstsein für die Feuerwehren und deren Arbeit geschärft werden. Zusammen mit dem Staatsministerium des Innern soll die Kampagne auf den Weg gebracht und zur Eröffnung der Feuerwehraktionswoche 2011 am 15. September 2011 gestartet werden. Bis zur Umsetzung fällt noch jede Menge Arbeit an. Als nächstes müssen Gespräche mit öffentlichen und privaten Busbetreibern und Busbetreibergesellschaften geführt werden, um die "rollende Werbung" auf die Straße zu bringen.

 Vortrag von Robert Kainz (PP-Präsentation - 5,42 MB)

Stellenweise hochemotional ging es bei der Diskussion mit der DigiNet-Gruppe des Staatsministeriums des Innern zum aktuellen Stand des Digitalfunks zu. Offene Fragen zur Einführung des Digitalfunks und zum Netzausbau wurden von Florian Petz und Susanna Bredemeier von der Projektgruppe DigiNet erläutert. Wenig Verständnis hatten zahlreiche Tagungsteilnehmer für die Art und Weise, wie bei der Standortsuche die Kommunen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Weiter informierte die DigiNet-Gruppe über die Unterbrechung des erweiterten Probebetriebs im Netzabschnitt Stadt und Landkreis München. Gesprächsabrisse haben die Bundesanstalt Digitalfunk BOS (BDBOS) dazu bewogen den erweiterten Probebetriebs vorübergehend zu unterbrechen bis der Fehler behoben ist.

 Vortrag der DigiNet-Gruppe

Die Fahrsicherheit mit Sonder- und Wegerechten soll verbessert werden. Hierzu will der LFV über eine Kooperation mit dem Gemeindeunfallversicherungs- verband (GUVV) ab Sommer/Herbst 2011 Fahrsicherheitstrainings mit entsprechenden Schulungen in den Feuerwehren der Stadt- und Kreisfeuerwehrverbände anbieten, um den Fahrern von Feuerwehrfahrzeugen ein besseres Fahrzeuggefühl zu vermitteln, damit sie im Ernstfall richtig reagieren.

Gut hierzu passen auch die Überlegungen der Versicherungskammer Bayern, den Feuerwehren Schulungen in einem Blaulichtfahrt-Simulator (BFS) anzubieten. Einen entsprechenden Simulator stellte Herr Döhle von der Fa. IFE-Systems vor. In einer Fahrzeugkabine mit fahrzeugtypischen Bedienelementen und drei großen TFT-Bildschirmen können bis zu 30 blaulichtspezifische Fahrszenarien geübt werden. Dazu gehören besonders risikobehaftete innerstädtische Alarmfahrten ebenso wie Rettungseinsätze bei Schneetreiben oder komplizierte Überholmanöver. Laut Statistik wird im Bundesgebiet täglich mindestens ein Dienstfahrzeug mit Sondersignal in einen Unfall verwickelt. Verkehrsexperten schätzen, dass etwa 60 Prozent der Fälle durch die Einsatzfahrer selbst verursacht werden. Extreme psychische Beanspruchung kann ebenso zum Crash führen wie mangelnde Geübtheit im Umgang mit verkehrskritischen Situationen. Ein Simulationsbeispiel aus dem täglichen Leben: Das Einsatzfahrzeug hat Rotlicht an der Ampel. Ein PKW kommt plötzlich von rechts hinter einem LKW hervorgeschossen der auf der Abbiegespur bereits das Einsatzfahrzeug erkannt hat und wartet. Das Feingefühl für solche Situationen wird bei den Simulatorfahrten geschärft.

Mit dem Simulator des Landkreises Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) konnten sich die Führungskräfte selbst ein Bild von den Möglichkeiten machen und dies auch in der Praxis austesten. Gerda Kaumanns, Leiterin des Ordnungsamtes Steinfurt und Kreisbrandmeister Bernhard Duesmann informierten über ihr Ausbildungskonzept mit ihrem Simulator im Landkreis Steinfurt, der seit Mitte 2009 erfolgreich eingesetzt wird. „Es ist eine gute Sache, um die Sinne für gefährliche Blaulichtsituationen zu schärfen“, gaben zahlreiche Tagungsteilnehmer ein positives Feedback zum möglichen Vorhaben der Versicherungskammer Bayern.

 Vortrag SFT - Teil 1 - Teil 2

BMW-Sicherheitskonzepte stellte Stefan Rauscher, von der Abteilung Unfallforschung vor. Hier ging man insbesondere auf die so genannten „Post-Crash-Funktionen“, quasi alle Möglichkeiten was man nach einem Unfall machen kann, ein. Der automatische Notruf (emergency Call / eCall), der je nach vorliegendem Unfallereignis einen automatischen Notruf mit Übermittlung der GPS-Daten an die Leitstelle übermittelt, wird in den nächsten Jahren Einzug in Neufahrzeuge halten. Bei BMW gibt es die Funktion des automatischen Notrufes bereits und nach auslösen des Airbags oder der Crash-Sensoren wird automatisch ein Notruf über eine unfallsichere, im Fahrzeug fest verbaute Telefoneinheit an das BMW Assist Callcenter abgesetzt. Der Mitarbeiter im Callcenter nimmt Kontakt mit dem Fahrzeugführer auf und erkundigt sich nach dem Befinden der Insassen. Über die gleiche Verbindung werden ebenfalls die metergenaue Fahrzeugposition und weitere für die Rettung relevante Daten wie zum Beispiel Verletzungsrisiko, Sitzbelegung sowie das Modell des Fahrzeugs übermittelt. An einem Testfahrzeug konnten sich die Tagungsteilnehmer bei einer Unfallsimulation vom System selbst überzeugen.

Brandamtsrat Stephan Klotz von der Berufsfeuerwehr München stellte die neue Analytische Taskforce (ATF) vor. Dabei handelt es sich um hoch spezialisierte, mobile Einsatzkräfte mit besonderen Fähigkeiten. Diese konzentrieren sich vor allem auf den Bereich der chemischen Analytik. Bundesweit wurden sieben Spezialeinheiten, der so genannten Analytische Task Forces geschaffen. Die Primäre Aufgabe der ATF ist die Identifikation von unbekannten, flüssigen und gasförmigen chemischen Stoffen. Zusätzlich verfügt die Einheit über eine technische Ausstattung zur Analyse im radiologischen Bereich (Kontamination, Dosisleistung, Isotopenfeststellung). Der Einsatzleitwagen mit hochleistungsfähiger Technik wurde im Hof der Feuerwehrwache den bayerischen Führungskräften in der Praxis vorgestellt.

 Vortrag ATF

Ein Update in Sachen Brandschutzerziehung erhielten die Stadt- und Kreisbrandräte, Leiter der Berufsfeuerwehren und der Staatlichen Feuerwehrschulen von Fachbereichsleiter Brandschutzerziehung Robert Wagner. Nachdem das Brandschutzerziehungskonzept des Landesfeuerwehrverbandes Bayern nunmehr zehn Jahre erfolgreich durchgeführt wird, stellte Robert Wagner Neuerungen vor. Besonders erfreulich hierbei ist, dass nach einer Statistik der Versicherungskammer Bayern die Anzahl der Kinderbrandstiftungen von 138 im Jahr 2000 auf 5 (!) im Jahr 2009 zurückgegangen ist. Die entstandenen Schäden in Folge von Brandstiftungen durch Kinder gingen von 4,5 Millionen auf 144.000 Euro zurück. Fachbereichsleiter Wagner gab den Tagungsteilnehmern viele wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Brandschutzerziehung mit Nachhause.

 Vortrag Brandschutzerziehung

Wie auch in den vergangenen Jahren sorgte die Feuerwehr Unterschleißheim mit ihrem Kommandant Andreas Hegermann für ein ausgezeichnetes Tagungsumfeld. Landesverbandsvorsitzender Alfons Weinzierl dankte allen Tagungsteilnehmern für die Teilnahme und den Referenten für die Gestaltung der Vortragsreihen und in den Workshops. "Wichtig ist uns als LFV, unsere Führungskräfte zu aktuellen Themen zu informieren", stellte Vorsitzender Weinzierl nochmals die Wichtigkeit und die Möglichkeit zum gegenseitigen kennen lernen beim Erfahrungsaustausch der Klausurtagungen heraus. Jochen Kümmel

Aktuelle Themen und Projekte des Landesfeuerwehrverbandes Bayern

In einer „aktuellen Stunde“ informierten Landesverbandsvorsitzender Alfons Weinzierl und Geschäftsführer Uwe Peetz im Rahmen der diesjährigen Klausurtagung zu aktuellen Aktivitäten im Verband. Beim Versicherungsschutz für Feuerwehranwärter bei Freizeitveranstaltungen konnten Verbesserungen durch Gespräche mit dem Gemeindeunfallversicherungsverband (GUVV) erzielt werden und geben nun Kommandant und Jugendwart Rechtssicherheit bei der allgemeinen Jugendarbeit.

Die geplante Einstellung von 12 neuen Lehrkräften an den Staatlichen Feuerwehrschulen wird nach Meinungen vieler Tagungsteilnehmer nicht ausreichen und nicht zur Entspannung bei der Personalsituation an den Schulen sorgen. Die Änderung des Bayerischen Reisekostengesetzes (BayRKG) könnte dafür sorgen, dass besondere Führungsdienstgrade keine oder weniger Wegegeldentschädigung erhalten. Hier haben wir das Innenministerium aufgefordert eine Lösung zu finden!

Mit dem Staatsministerium des Innern laufen die Verhandlungen über die Aufnahme neuer Fahrzeugtypen und Ausrüstungsgegenstände in die Förderrichtlinien. Nachdem der Fördertopf gut gefüllt ist stehen die Aussichten gut, dass beispielsweise der Mannschaftstransportwagen, Wärmebildkameras, der Gerätewagen-Logistik I, das neue Löschgruppenfahrzeug „Katastrophenschutz“, die neuen Tanklöschfahrzeug-Normen und weitere THL -Hilfeleistungssätze möglicherweise aufgenommen werden.

Weitere Themen waren die Aussetzung der Wehrpflicht, der Feuerwehrführerschein, das Kartellverfahren gegen mehrere Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen, die Neuauflage des Imagefolders, der Ausarbeitung "Wissenswertes für Feuerwehren und Feuerwehrvereine" und der CD „Gründungsfeste“, die positiven Rückmeldungen zum Feuerwehrverwaltungsprogramm "MP-Feuer", die Ehrenamtsförderung, Seminare für Führungsdienstgrade mit den Themen Rhetorik und Kommunikation und die Neugestaltung der LFV-Homepage zum Jahreswechsel 2011/2012, die dann aktueller, übersichtlicher und komfortabler auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden soll. Jochen Kümmel

 Vortrag Alfons Weinzierl und Uwe Peetz - Redestichpunkte und Präsentation